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Nils Kuhlmann aus Kassel

Ist er der jüngste Zahnarzt Deutschlands?

Im November 2025 hat Nils Kuhlmann sein Studium der Zahnmedizin mit Bestnote bestanden und kurz darauf die Approbation erhalten. Keine Frage: Der 22-Jährige aus Kassel ist einer der jüngsten Zahnärzte in Deutschland, möglicherweise gar der jüngste.

Einen Hang zur Prokrastination kann man Kuhlmann nicht vorwerfen. Im Gegenteil. „Ich möchte gerne alles durchziehen“, sagt der junge Mann, der am 19. August des vergangenen Jahres 22 Jahre alt geworden ist. Und dieser Devise ist er bisher treu geblieben. Er will vorankommen, gönnt sich keine Pause. Geduld sei nicht seine Stärke, räumt er ein.

Im Alter von fünf Jahren wurde er eingeschult. „Bei Mathe bin ich in der Grundschule eingeschlafen. Ich war schon immer ein bisschen vorne und immer der Jüngste“, erzählt er. Er übersprang die dritte Klasse und machte mit 16 Abitur. Am meisten interessierten ihn Mathe und Naturwissenschaften. Hingegen hätten ihm Fächer, in denen man Texte lesen und schreiben musste – wie Politik oder auch Sprachen – weniger gelegen. In der gesamten Schulzeit habe er wenig gelernt und sich erst vor der Abiturprüfung „richtig reingehängt“, betont er.

Ein Bürojob wäre nichts für ihn

Nach dem Abitur schrieb er sich mit 17 an der Universität Göttingen in den Studiengang Zahnmedizin ein. Nach zehn Semestern bestand er am 11. November seine letzte zahnmedizinische Prüfung.

„Ich wollte schon immer Zahnmedizin studieren“, erzählt er. Sein Vater, der eine zahnärztliche Gemeinschaftspraxis in Kassel betreibt, sei sein Vorbild gewesen. Medizinische Berufe finde er „total cool“, ein Bürojob sei nichts für ihn. „Ich will mit Menschen zu tun haben und ihnen helfen. Auch der handwerkliche Aspekt hat mich gereizt." An der Arbeit in einer Zahnarztpraxis gefallen ihm außerdem die flexiblen Arbeitszeiten. In einer Klinik zu arbeiten, komme für ihn nicht infrage.

Im Studium hätten ihm die praktischen Kurse mit den Patientenbehandlungen am meisten Spaß gemacht. Auch die Chirurgie interessiere ihn. Überhaupt mache ihm der Kontakt mit Patienten am meisten Spaß, und „dass man etwas Praktisches macht“. Und Kieferorthopädie habe er nicht gewählt, weil man da sehr viel mit Planung beschäftigt sei.

Ist er ein Überflieger? Hm, das werde er häufig gefragt. Er sei schon ehrgeizig, aber „nicht der Typ, der nur lernt“. Ihm sei einfach vieles leicht gefallen. Aber er habe sich bemüht, das nicht so „raushängen zu lassen“. Er sei auch immer akzeptiert und nie als Streber aufgezogen worden.

„Das Studium wollte ich schnell durchziehen“, sagt er. Die meiste Zeit habe er einen nur durchschnittlichen Lernaufwand betrieben, da hätten andere deutlich mehr gemacht. Er sei auch gerne mal am Wochenende nach Hause gefahren oder mit einer Gruppe von Kommilitonen in den Skiurlaub. Überhaupt treibe er viel Sport – er jogge, trainiere im Fitnessstudio und fahre gerne Ski und Motorrad. Außerdem gehe er gerne mit Freunden aus.

Die „Bild“ machte ihn bekannt

Das Examen sei dann allerdings sehr anstrengend gewesen, da habe er viel Zeit in der Bibliothek und mit Lernen verbracht. Von Mitte Juli bis Mitte November vergangenen Jahres stand fast jede Woche eine Prüfung an, 16 Prüfungen waren es insgesamt, einige mit Patientenbehandlung. „Ich wollte es am Ende rumhaben“, erklärt er. Das hat er geschafft und das Studium nach zehn Semestern mit „sehr gut“ abgeschlossen.

Nach dem Studienabschluss flog er einige Wochen nach Bali und Japan, um „mal rauszukommen“. Anschließend gönnte er sich keine weitere Auszeit, sondern begann direkt nach der Reise am 10. Dezember als Assistenzarzt in der Gemeinschaftspraxis seines Vaters in Kassel.

Die Arbeit in der Praxis mache ihm viel Spaß, erzählt er, das Praxispersonal kenne er bereits seit Langem. Zurzeit behandele er vor allem Schmerzpatienten. Schon in den ersten Tagen in der Praxis habe er selbst Füllungen gelegt, nach einigen Wochen erste prothetische Arbeiten übernommen. Die Patienten seien bisher alle zufrieden gewesen.

Wie reagieren diese darauf, dass er noch so jung ist? „Positiv“, meint er. Seit nicht nur die Regionalzeitung, sondern auch „Bild“ über ihn berichtet hat, werde er häufig angesprochen und beglückwünscht. Er werde sowieso meist älter geschätzt, als er ist. Bislang fehlten ihm noch Routine und Erfahrung. Wenn er unsicher ist, frage er seinen Vater. Er habe durchaus Respekt davor, etwas falsch zu machen. „Aber ich habe in der Uni viel gelernt“, sagt er selbstbewusst.

Nun steht die Doktorarbeit an

Parallel arbeitet er an seiner Doktorarbeit, mit der er im März 2024 begonnen hat. Da hakt es allerdings, die Ergebnisse seien bisher ernüchternd, die Betreuung nicht zufriedenstellend. „Ich habe mich entschieden, mir ein neues Thema zu suchen.“ Bis 2027 will er die Arbeit abgeben.

Und wie geht es dann weiter? Zunächst will er die zweijährige Assistenzzeit abschließen. Sein Vater wünsche sich, dass er in einigen Jahren die Praxis übernimmt. Kann er sich vorstellen, die nächsten 45 Jahre als Zahnarzt zu arbeiten? „Ja, kann ich. Es werden aber wohl eher 50 Jahre werden“, meint er.

Ist er der Jüngste oder nicht?

Ist Nils Kuhlmann nun mit 22 Jahren der jüngste Zahnarzt Deutschlands, wie die „Bild“ schreibt? Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) kann dies anhand der Statistik nicht zweifelsfrei bestätigen. Fest steht aber: „Nils Kuhlmann ist definitiv einer der jüngsten Zahn­ärzte, die es in Deutschland je gab“, sagte eine Sprecherin. Ganz vereinzelt habe es schon Zahnärzte in diesem Alter gegeben, beispielsweise 2022 in Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg sowie 2016 in Bremen.

Um vielleicht mal etwas ganz anderes zu machen, liebäugele er aber auch mit der Idee, nach der Assistenzzeit ein Jahr im Ausland zu verbringen, zum Beispiel in Spanien. Aber das wisse er noch nicht, das lasse er auf sich zukommen. „Ich plane nicht die nächsten zehn Jahre im Voraus“, sagt er.

In jedem Fall will er dieses Jahr mit seinen Eltern und seiner Schwester, die ab April ebenfalls Zahnmedizin studieren will, nach Thailand reisen. Für ihn steht fest: „Zahnmedizin ist für mich genau der richtige Beruf“. Daran gibt es nichts zu rütteln.

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