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KZV und ZÄK zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

„Die Freude am Beruf wird durch die Rahmenbedingungen konterkariert!“

Am 20. September wird ein neuer Landtag in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. © bluedesign - stock.adobe.com
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Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September werden die Weichen für die Gesundheitspolitik der nächsten Jahre gestellt. Die Probleme der Zahnärzteschaft und die Erwartungen an die Landespolitik beschreiben Dr. Gunnar Letzner, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV M-V), und Stefanie Tiede, Präsidentin der Zahnärztekammer (ZÄK M-V).

Wie ist es um die zahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern bestellt?

Dr. Gunnar Letzner (KZV M-V): Die zahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich durch ein hohes fachliches Niveau und ein großes Engagement der niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte aus. Perspektivisch ist diese jedoch gefährdet – vor allem im ländlichen Raum. 2030 werden bereits 39 Prozent unserer Mitglieder 60 Jahre oder älter sein. Bis 2031 wird der Versorgungsgrad prognostisch von heute rund 95 auf nur noch 70 Prozent sinken, in ländlichen Regionen teils deutlich darunter. Gleichzeitig bleiben von jährlich rund 65 Absolventinnen und Absolventen aus den Universitäten Greifswald und Rostock weniger als 15 langfristig im Land.

Welche Themen beschäftigen die Zahnärztinnen und Zahnärzte im Land?

Stefanie Tiede (ZÄK M-V): Durch den demografischen Wandel, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Zahnärzteschaft selbst, stehen steigende Behandlungsbedarfe abnehmenden Behandlungskapazitäten gegenüber. Damit geht eine Erhöhung der Arbeitslast einher, die von ausufernden bürokratischen Vorgaben begleitet wird. Erschwerend kommt der Mangel bei den nicht-approbierten Assistenzberufen hinzu, so dass viele Praxen an ihre Belastungsgrenzen kommen. Die Freude an der Ausübung des Berufs wird massiv durch die sich stetig verschlechternden Rahmenbedingungen konterkariert, so dass die Stimmungslage der Zahnärzteschaft in Mecklenburg-Vorpommern zum großen Teil geprägt ist von dauerhafter Überlastung und Unzufriedenheit.

Gleichzeitig gilt es jedoch, die nachwachsende Berufsgeneration zu motivieren, in die Patientenversorgung einzusteigen und diese perspektivisch sicherzustellen. Ein Dilemma, das nach tiefgreifenden Lösungsansätzen verlangt.

Mit welchen Schwierigkeiten kämpft die Zahnärzteschaft in dem norddeutschen Bundesland?

Letzner: Eine zentrale Herausforderung ist die fehlende Nachfolge, insbesondere im ländlichen Raum. Viele ältere Kolleginnen und Kollegen können ihre Praxis nicht mehr wie geplant abgeben und arbeiten aus Verantwortung für ihre Patienten länger. Andererseits nehmen wir die Tendenz innerhalb der jungen Kollegenschaft wahr, zunächst in Anstellung und in größeren Städten zu arbeiten. Gleichzeitig belastet landesweit die Bürokratie im Zusammenhang mit Datenschutz, Digitalisierung, TI und Qualitätsmanagement die Praxen. So bleibt viel weniger Zeit für die Patientenversorgung.

Aktuell sorgt zudem das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit seinen künftigen Auswirkungen auf die Versorgung und in der Praxiswirtschaft für große Unsicherheit. Anstatt die Niederlassung zu fördern und junge Menschen für den Beruf zu motivieren, reguliert und budgetiert der Gesetzgeber in archaischer Form.

Welche Forderungen haben Sie an die Landespolitik?

Tiede: An die Landespolitik richten wir den Wunsch nach verlässlichen Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und einem kontinuierlichen, offenen Austausch mit der zahnärztlichen Selbstverwaltung. Politische Maßnahmen müssen praxistauglich sein und die Erfahrungen derjenigen berücksichtigen, die täglich für die Versorgung der Patientinnen und Patienten Verantwortung tragen.

Besonders wichtig sind: mehr Tempo bei der Nachwuchsgewinnung und bessere Rahmenbedingungen für die Niederlassung. Dazu gehört für uns auch die Landeskinderquote, damit junge Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern bessere Chancen auf einen Studienplatz erhalten. Trotz der bestehenden rechtlichen Hürden sollte dieses Instrument weiter geprüft und vorangetrieben werden, denn junge Menschen mit regionaler Verbundenheit bleiben erfahrungsgemäß eher im Land. Gleichzeitig brauchen wir mehr Landesmittel für Praxisgründungen und -übernahmen, insbesondere im ländlichen Raum. Der Bürokratieabbau, eine angemessene Vergütung und verlässliche Zukunftsperspektiven sind ebenso entscheidend. Die Kommunen sollten stärker unterstützt werden, attraktive Gesamtangebote für Niederlassungswillige zu schaffen – von Praxis und Wohnraum bis zu Kinderbetreuung, Schule und Infrastruktur.

Darüber hinaus erwarten wir eine stärkere Einbindung der zahnärztlichen Körperschaften in Gesetzgebungsverfahren und weniger Eingriffe in die Selbstverwaltung. Auch die Möglichkeiten zur Integration ausländischer Zahnärztinnen und Zahnärzte sollten verbessert werden.

Die Fragen stellte Anne Orth.

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