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Zehn Jahre PraxisAWARD – Teil 2

Diese Präventionsideen wurden preisgekrönt

Rückblick zum 10. Jubiläum des PraxisAWARD: Prof. Dr. Dietmar Oesterreich (BZÄK), die Preisträgerinnen Houma Kustermann und Sybille van Os-Fingberg sowie Dr. Marianne Gräfin Schmettow (CP GABA) bei der Preisübergabe 2019 ( © Michelle Spillner, CP GABA
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Der „PraxisAWARD Prävention“ zeichnet Zahnärztinnen und Zahnärzte für ihre Projekte im Bereich Prävention aus. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und CP GABA ausgeschrieben. Im November wird der Preis zum 10. Mal verliehen. Gewonnen haben über die Jahre ganz verschiedene Projekte. Manche konnten sich etablieren, andere noch nicht.

„GlobeSmile“

2021 haben Dr. Anna-Lena Hillebrecht und Simone Steffens vom Universitätsklinikum Freiburg mit ihrem Projekt „GlobeSmile“ gewonnen. Ausgezeichnet wurde ihre kultusensible Online-Plattform zur Verbesserung der Mundgesundheitskompetenz von Menschen mit Fluchthintergrund. Das Projekt richtet sich an Personen, die auf der Flucht aufgrund sprachlicher, struktureller oder sozialer Barrieren häufig keinen oder nur eingeschränkt Zugang zu präventiven Angeboten haben.

„Wir haben kurze Erklärvideos entwickelt, die zentrale Maßnahmen der täglichen Mundhygiene verständlich vermitteln und unabhängig von Ort, Zeit und persönlicher Beratung verfügbar sind. Die Clips wurden in arabischer, persischer und türkischer Sprache vertont“, berichtet Hillebrecht.

Wie ging es weiter?

GlobeSmile wurde kontinuierlich weiterentwickelt und evaluiert, auch das Projektteam ist gewachsen. Es kamen neue Sprachen hinzu und die Videos stehen heute über den GlobeSmile-Kanal auf YouTube öffentlich zur Verfügung. Für die Zukunft ist geplant, gemeinsam mit geflüchteten Personen Videos in weitere Sprachen (Französisch oder Somali) zu übersetzen.

„Mich freut sehr, dass GlobeSmile inzwischen weit über den ursprünglichen lokalen Kontext hinaus genutzt wird. Die Videos finden heute auch im Rahmen zahnmedizinisch-humanitärer Einsätze Verwendung – beispielsweise in Erstunterkünften für geflüchtete Menschen in Griechenland oder bei Einsätzen in Nepal. Gerade dort zeigt sich der Gedanke des Projekts besonders deutlich: Präventionswissen kann auch vermittelt werden, wenn reguläre Versorgungsstrukturen, eine gemeinsame Sprache oder eine kontinuierliche Betreuung fehlen“, erzählt Hillebrecht. Für die Zukunft möchte sie das Angebot weiter offen und international verfügbar halten sowie zusätzliche Sprachen und Einsatzkontexte erschließen.

„Der Award verschafft kleinen und großen Projekten Sichtbarkeit“

„Gemein ist allen Auslobungen der letzten zehn Jahre, dass für große und kleine Projekte und Arbeitsgruppen die öffentliche Aufmerksamkeit stark erhöht werden konnte. Dadurch wurden erfolgreich Impulse für die Fortsetzung der jeweiligen Projekte gegeben. Dem ausgelobten Award kommt damit eine wichtige Rolle bei der Implementierung oder Verstetigung verschiedener Initiativen zu. Er trägt dazu bei, Gruppen mit erhöhtem präventiven Versorgungsbedarf besser zu erreichen und zu versorgen."

Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Zahnarzt und von 2015 bis 2022 Jurymitglied

„PregDenti“

2020 erhielt die Hebamme und Pflegemanagerin (M.A.) Christiane Klekamp den Preis für „Konzeptionelle Ideen zum PregDenti Netzwerk“. Das Netzwerk sollte mehrere Professionen, die zur Verbesserung und Erhaltung der Zahngesundheit schwangerer Frauen beitragen, zusammenbringen. Der Name setzt sich zusammen aus den Wörtern „Preg“ als Abkürzung für Pregnancy und „Denti“, italienisch für Zähne.

„PregDenti soll den werdenden Familien aller sozialen Schichten und Kulturen Informationen auf speziellen Internetseiten zum Themenkomplex Zahnhygiene bieten und sowohl theoretisch als auch praktisch nach den neusten wissenschaftlichen Standards aufklären“, erklärt Klekamp. Chat-Angebote, Online- und Face-to-face-Beratungen sollten das Angebot abrunden.

Wie ging es weiter?

Das Projekt sollte an der Basis bei Hebammen, Zahnärzten und Gynäkologen starten. Bisher konnte es allerdings nicht realisiert werden. „Da ich Hebamme und Pflegemanagerin und keine Zahnärztin bin, habe ich keinen Zugang zu Demo- und Informationsmaterial erhalten. Auch konnten mir leider keine geeigneten Fortbildungen zum Thema Zahngesundheit bei Schwangeren angeboten werden, da mir auch hier der Zugang als Zahnärztin fehlte. Andere Organisationen stellten alle Weiterbildungen wegen Corona ein“, sagt Klekamp.

Sie wünscht sich von den Organisationen mehr Unterstützung und Offenheit und von den Akteuren an der Basis mehr Mut, gemeinsam neue Wege zu gehen.

„Zahnmedizin plus Pädagogik“

2019 wurden die Zahnärztin Houma Kustermann und die Gesundheitspädagogin Sybille van Os-Fingberg für ihr Praxiskonzept „Zahnmedizin plus Pädagogik“ geehrt. Das Raumkonzept beinhaltet ein Mundgesundheitszentrum für Coaching, Beratung und Training, ein fünfstufiges Rehabilitationskonzept für unter 6 Jahre alte Kariesrisikokinder und deren Eltern sowie ein Schulungskonzept für die Mitarbeitenden. Das Ziel: Patienten zu befähigen, den Wert der Mundgesundheit zu erkennen, und damit ein Leitbild für eine lebenslange Mundhygiene zu geben. Das Praxiskonzept ist auf alle Fachbereiche der Zahnmedizin adaptierbar, die eine Verhaltensänderung und/oder intensive Patientenmitarbeit benötigen.

„Das Konzept trägt dazu bei, Mundgesundheitsförderung stärker aus der Perspektive der Kinder und Familien zu betrachten. Prävention sollte nicht nur erklärt, sondern erlebbar gemacht werden. Kinder werden spielerisch angesprochen, Eltern im Coaching begleitet und darin bestärkt, eigene, für ihre Familien passende Lösungen zu entwickeln. Die Praxisteams erhalten dafür konkrete Methoden, die sie unmittelbar in ihrem Berufsalltag einsetzen können“, erklärt van Os-Fingberg.

Wie ging es weiter?

In den Jahren 2020 bis 2022 war die weitere Umsetzung des Präventionskonzepts durch die Pandemie stark eingeschränkt. Danach wurde der Faden wieder aufgenommen und das Konzept inhaltlich und methodisch deutlich erweitert, berichtet van Os-Fingberg. „Neben Mundhygiene und klassischer Prophylaxe stehen heute vor allem Ernährung, Elternarbeit, Erziehermotivation, Sprache, Vertrauensbildung, kulturelle Vielfalt und soziale Teilhabe im Mittelpunkt."

Das von ihr entwickelte dreiteilige Schulungskontinuum „Mundgesundheitspädagogik“ bietet sie inzwischen bundesweit an. Es richtet sich an Zahnärztinnen und Zahnärzte, Prophylaxe-Fachkräfte und Mitarbeitende der Gruppenprophylaxe. „Die große Nachfrage nach meinen Schulungen zeigt, dass ein großer Bedarf an pädagogischen, kommunikativen und kultursensiblen Ansätzen besteht“, bilanziert van Os-Fingberg.

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