Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung

Über 1.000 Lieferengpässe bei Arzneimitteln

nb
Politik
Lieferengpässe bei Arzneimitteln belasten die Patientenversorgung weiterhin massiv, warnt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Besonders betroffen seien Psychopharmaka und Antibiotika.

Nach einer aktuellen Zi-Auswertung (siehe Grafik) wurden im vergangenen Jahr insgesamt 1.514 Lieferengpassmeldungen registriert, die sich auf 1.041 unterschiedliche Engpässe beziehen. Grundlage der Analyse sind vertragsärztliche Verordnungsdaten der Jahre 2024 und 2025, abgeglichen mit den Lieferengpassmeldungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Besonders alarmierend ist demnach die Situation bei Psychopharmaka. Innerhalb dieser Arzneimittelgruppe verzeichneten Antipsychotika 173 Meldungen zu 151 verschiedenen Pharmazentralnummern (PZN) – bei einer durchschnittlichen Engpassdauer von rund 230 Tagen. Auch Antidepressiva waren stark betroffen, mit 130 Meldungen zu 126 PZN und einer mittleren Dauer von 107 Tagen.

Diese Präparate haben laut Zi einen relevanten Anteil an der Versorgung: Allein im Jahr 2024 erhielten rund eine Million Patientinnen und Patienten ein entsprechendes Psychopharmakon. Therapieabbrüche oder -umstellungen seien bei diesen Wirkstoffen zudem besonders kritisch, warnt das Zi. Ein kurzfristiger Wechsel des Wirkstoffs sei bei vielen psychischen Erkrankungen nicht ohne Weiteres möglich und könne den Therapieerfolg gefährden.

Fehlende Antibiotika wirkten sich auf 2,2 Millionen Menschen in Deutschland aus

Neben Psychopharmaka trafen Lieferengpässe auch andere versorgungsrelevante Wirkstoffgruppen: Lipidsenker verzeichneten 89 Meldungen (80 PZN, durchschnittlich 156 Tage Engpassdauer) und betrafen potenziell rund zwei Millionen Patientinnen und Patienten. Bei Antibiotika wurden 85 Meldungen (78 PZN, durchschnittlich 122 Tage Engpassdauer) registriert – mit Auswirkungen auf etwa 2,2 Millionen Menschen.

Gerade bei Antibiotika seien die Folgen für die Versorgungsqualität erheblich. „Fehlen mehrere antibiotische Wirkstoffe oder Darreichungsformen gleichzeitig, können Ärztinnen und Ärzte nicht mehr primär leitliniengerecht auswählen, sondern müssen ihre Therapie an der aktuellen Verfügbarkeit ausrichten“, sagt der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Dies könne nicht nur die Behandlungsqualität senken, sondern auch die Entwicklung von Resistenzen begünstigen.

Weitere Engpässe betrafen unter anderem den bronchienerweiternden Wirkstoff Salbutamol sowie Antiepileptika. Bei Salbutamol waren rund 9,7 Prozent der verfügbaren Präparate zeitweise betroffen, bei Antiepileptika etwa 6,8 Prozent. Ausweichmöglichkeiten seien hier oft eingeschränkt, betonte von Stillfried. Zwar konnten Versorgungsengpässe bei Salbutamol teilweise durch Notfallimporte abgefedert werden, doch anderssprachige Packungsbeschriftungen sorgten bei Patientinnen und Patienten nicht selten für Verunsicherung und Vertrauensverlust.

Probleme in den Herstellungsländern ließen sich hier kaum lösen – Zi plädiert für Frühwarnsystem

Nach Einschätzung des Zi liegen die strukturellen Ursachen der wiederkehrenden Lieferengpässe vor allem in der starken globalen Konzentration der Wirkstoff- und Hilfsstoffproduktion. Ein Großteil der Herstellung findet in wenigen Produktionsstätten, überwiegend in China und Indien, statt. „Kommt es dort zu Produktionsproblemen, Qualitätsmängeln oder Störungen in den Lieferketten, macht sich das sehr schnell auch in deutschen Apotheken bemerkbar“, so von Stillfried.

Das im Jahr 2023 auf den Weg gebrachte Gesetz zur Bekämpfung von Lieferengpässen habe bislang kaum strukturelle Verbesserungen gebracht. Nach Angaben der gesetzlichen Krankenkassen seien vor allem höhere Kosten entstanden, ohne die Versorgungssicherheit nachhaltig zu erhöhen. Als zielführender sieht das Zi die Einführung eines wirksamen Frühwarnsystems, das Produktionsausfälle frühzeitig erkennt und Versorgungsverantwortliche rechtzeitig informiert – bevor Engpässe bei den Patientinnen und Patienten ankommen.

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.