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80 Organisationen stellen Forderungen an die EU

„Der Tod durch Hitze ist vermeidbar“

Extreme Hitze sollte als ernsthafte grenzüberschreitende Gesundheitsgefahr anerkannt werden, heißt es unter anderem in der gemeinsamen Erklärung. vegefox.com - stock.adobe.com
mg
Politik
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Heute veröffentlicht die Planetary Health Alliance in Europa, ein großes Netzwerk von Gesundheitsorganisationen aus europäischen Ländern, eine gemeinsame Erklärung, in der sie die EU zum Handeln auffordert.

Die gemeinsame Erklärung richtet sich an die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und den Rat, ist aber für alle europäischen Länder relevant, schreibt die teilnehmende Organisation KLUG (Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit). Ihre zentrale Botschaft: Europa mangele es nicht an Plänen, sondern an Ambition und Umsetzung. Trotz bestehender nationaler Hitze-Gesundheits-Aktionspläne, Frühwarnsysteme und einer EU-Anpassungsstrategie steige die hitzebedingte Sterblichkeit weiter an.

RKI schätzt Zahl der bisherigen Hitzetoten in 2026 auf 11.900

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat heute einen aktuellen Bericht herausgegeben, der die bisherigen Schätzungen zu hitzebedingter Übersterblichkeit 2026 in Deutschland nach oben koorrigiert. Allein während der extremen Hitze im Juni sind demnach rund 9.600 Menschen zusätzlich gestorben. Insgesamt seien es im Zeitraum der Kalenderwochen 15 bis 30/2026 geschätzt 11.900 gewesen. „In einigen Fällen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, führt die Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod, während in den meisten Fällen die Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen zum Tod führt“, schreibt das RKI. Daher werde Hitze auf dem Totenschein normalerweise nicht als die zugrunde liegende Todesursache angegeben. Darum müssen statistische Methoden angewendet werden, um das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle abzuschätzen.

Die Auswirkungen der besonders starken Hitzewellen Ende Juni hätten sich in einer deutlich erhöhten Mortalität direkt in der KW 26 und in der Folgewoche KW 27 gezeigt, schreibt die Behörde weiter, seien aber erst jetzt in vollem Umfang in der geschätzten Anzahl hitzebedingter Sterbefälle enthalten. Das liege vor allem daran, dass die Bundesland-spezifischen Mortalitätszahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) erst mit einer Verzögerung von 5 Wochen berichtet werden „und Temperaturen in dieser Höhe bisher in Deutschland kaum oder gar nicht vorkamen.“

„Unter den Hitzekuppeln des Juni 2026, dem heißesten je in Westeuropa gemessenen Juni, wurden allein in der Spitzenwoche der Hitzewelle mehrere Tausend Übersterblichkeitsfälle registriert – Tendenz weiter steigend. Die Opfer sind überwiegend ältere Menschen, überproportional häufig Frauen, während weitere gesundheitliche Auswirkungen Säuglinge, Schwangere, chronisch Kranke, im Freien arbeitende Menschen sowie Menschen in Armut und in schlecht angepasstem Wohnraum und in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen betreffen“, heißt es. Gleichzeitig forderten Waldbrände weitere Todesopfer und hüllten Städte in Rauch, „dessen Feinstaubpartikel noch lange nach dem Erlöschen der Flammen weitere Todesfälle verursachen werden.“

„Die große Anzahl von Hitzetoten zeigt, dass wir deutlich ambitionierter vorgehen müssen. Auf europäischer Ebene ist das Klimaresilienz-Rahmenwerk die Gelegenheit, Absichtserklärungen in verbindliche Verpflichtungen zu verwandeln. Der Gesundheitssektor muss vorangehen, denn er ist von dieser Krise sowohl betroffen als auch mitverantwortlich für ihre Lösung.“

Prof. Christian M. Schulz, KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit

Die Erklärung stützt sich auf den Europa-Bericht 2026 des Lancet Countdown on Health and Climate Change, wonach in 99,6 Prozent der untersuchten europäischen Regionen die hitzebedingte Sterblichkeit gestiegen ist. Allein 2024 gab es danach rund 63.000 Hitzetote. „Gleichzeitig fließen lediglich 0,07 Prozent der von europäischen Gebern bereitgestellten Klimaanpassungsfinanzierung in den Gesundheitsbereich“, schreibt KLUG.

Während die Europäische Kommission derzeit an dem sogenannten European Climate Resilience Framework arbeitet, das Ende 2026 verabschiedet werden soll, fordern die Unterzeichner, Gesundheit in dessen Zentrum zu stellen und rechtlich verbindliche Anpassungsverpflichtungen zu schaffen. Die sechs Forderungen der Erklärung sind:

  1. „Erklärungen des Klimanotstands in verbindliche Verpflichtungen umwandeln und extreme Hitze als ernsthafte grenzüberschreitende Gesundheitsgefahr anerkennen

  2. Einen Europäischen Hitzeschutzplan verabschieden, unterstützt durch einen Notfall-Anpassungsfonds, um die Hitzeüberwachung zu stärken, Programme zur Stärkung der Resilienz in Gemeinden zu fördern und Gesundheitseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen klimafest zu machen

  3. Die Lücke im europäischen Arbeitsschutz bei Hitze durch verbindliche, regional angepasste Temperaturschwellenwerte schließen

  4. Sichere Innentemperaturen für vulnerable Menschen im Bestandswohnraum gewährleisten

  5. Klimaschutz als Gesundheitspolitik vorantreiben und die mehr als 400 Milliarden Euro jährlicher fossiler Subventionen abbauen

  6. Gesundheit, Evidenz und Gerechtigkeit ins Zentrum der gesamten EU-Klimapolitik stellen"

Die Erklärung verpflichtet ausdrücklich auch den Gesundheitssektor selbst. „Wir nehmen uns selbst nicht aus“, heißt es darin. Die Unterzeichner verpflichten sich, ihre eigenen Krankenhäuser, Praxen und Pflegeeinrichtungen klimaresilient und klimaneutral zu gestalten, Patientinnen, Patienten und Personal vor Hitze zu schützen und den Klimawandel in jede klinische und pflegerische Entscheidung einzubeziehen. Der Anhang legt konkrete Schritte fest, von einrichtungsspezifischen Hitzeplänen und proaktiver Ansprache isolierter älterer Menschen bis hin zur Fortbildung von Gesundheitsfachkräften.

Hier finden Sie die komplette Erklärung zum Download.

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