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Zi-Vorstandschef Dr. Dominik von Stillfried

"Ein Signalgeber für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems“

Die Österreicher gehen fast 13-mal im Jahr zum Arzt. Was uns das sagen soll, führt Zi-Vorstandschef Dr. Dominik von Stillfried aus. GEORG JOHANNES LOPATA-AXENTIS.DE
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Praxis
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Eine Länder-Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat den Zusammenhang zwischen der Zahl der Arztkontakte, der Zufriedenheit mit dem System und Gatekeeping-Modellen beleuchtet.

Internationale Studien belegen laut Zi, dass die Zufriedenheit mit dem Gesundheitswesen und das Empfinden von Zugangshürden zur medizinischen Versorgung („unmet medical needs“) eng miteinander verknüpft sind: Wo Menschen ihren medizinischen Bedarf als gedeckt sehen, sind sie mit den Versorgungsangeboten eher zufrieden.

Das Zi hat vor diesem Hintergrund die Gesundheitssysteme in Europa mit Blick auf die dort teilweise implementierten Gatekeeping-Modelle verglichen. Datengrundlage sind Berichte der EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) für das Jahr 2024, mit denen die Zahl der Arztkontakte pro Einwohner den Anteilen der Bevölkerung mit ungedecktem medizinischem Bedarf (beides selbstberichtet) auf Länderebene gegenübergestellt werden können.

Ein Signalgeber für die Weiterentwicklung des Systems

Spitzenreiter bei den ärztlichen Konsultationen ist demnach Österreich mit knapp 13 Arztkontakten pro Einwohner und Jahr. Deutschland liegt mit 9,8 Kontakten auf Platz fünf, hinter der Slowakei, Ungarn und den Niederlanden. In diesen Ländern berichten unter 2,5 Prozent der Bevölkerung von Zugangshindernissen, in Deutschland sind es lediglich 1,2 Prozent. Nur in Malta fällt der Wert mit 0,7 Prozent noch geringer aus.

Demgegenüber stehen Länder wie Dänemark, Litauen, Estland und Finnland, die mit deutlich weniger Arztkontakten (etwa 4 bis 6 pro Jahr) einen Bevölkerungsanteil von über 10 Prozent beim ungedeckten medizinischen Bedarf aufweisen. Die in grün dargestellte Trendlinie unterstreicht diesen negativen Zusammenhang. Dabei liegen Länder mit traditionellen Primärarztsystemen wie die Niederlande (viele Arztkontakte, wenig ungedeckter Bedarf) und Dänemark (wenig Arztkontakte, höherer ungedeckter Bedarf) an beiden Enden der Skala.

„Die Wechselwirkung zwischen der Häufigkeit von Arztkontakten und dem Anteil der Bevölkerung mit wahrgenommenen Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung ist ein interessanter Signalgeber für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Diese Folgen haben Gatekeeping-Systeme

„Trotz aller Unterschiede zwischen den europäischen Gesundheitssystemen und potenziellen Verzerrungen zeigen die von uns ausgewerteten Daten dennoch eines recht deutlich: Gatekeeping-Systeme, wie sie in zahlreichen EU-Ländern praktiziert werden, greifen den medizinischen Bedarf unterschiedlich gut auf und können sich somit sehr unterschiedlich auf die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung auswirken."

Auch der Effekt der Primärversorgungssysteme auf die Facharzttermin-Wartezeit sei nicht einheitlich: Gatekeeping könne die fachärztliche Inanspruchnahme reduzieren, führe aber zu geringerer Patientenzufriedenheit und nicht automatisch zu kürzeren Wartezeiten. "Wartezeiten können von den verfügbaren haus- oder fachärztlichen Kapazitäten, aber auch von Vergütungsstrukturen und der Organisation der Versorgungsprozesse beeinflusst werden“; betonte von Stillfried.

Ziel für die Einführung eines Primärversorgungssystems könne es daher nur sein, Patienten gezielter nach Dringlichkeit, medizinischem Bedarf und der dafür geeigneten Versorgungsebene zu versorgen.

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