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Weltkrebstag am 4. Februar

Fast jede zweite Person in Deutschland erkrankt an Krebs

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Gesellschaft
Zum Weltkrebstag am 4. Februar 2026 hat das Robert Koch-Institut (RKI) die neuesten epidemiologischen Daten vorgelegt. Demnach nimmt die absolute Zahl der Krebsneuerkrankungen weiter zu. Wird jedoch die Alterung der Gesellschaft herausgerechnet, ist die Neuerkrankungsrate rückläufig.

Laut den aktuellsten Krebsregisterdaten, die das RKI jetzt veröffentlicht hat, wurden im Jahr 2023 rund eine halbe Million Menschen in Deutschland erstmals mit einer Krebserkrankung diagnostiziert. Von diesen 517.800 Krebserkrankungen traten rund 276.400 bei Männern und etwa 241.400 bei Frauen auf. Etwa die Hälfte aller Neuerkrankungen betraf die Prostata (79.600), die Brustdrüse (75.900), die Lunge (58.300) oder den Dick- und Enddarm (55.300).

Potenzial der Krebsprävention stärker ausschöpfen

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO veröffentlichte gerade die aktualisierte Auflage des Europäischen Kodex gegen Krebs in deutscher Sprache und verschärft darin ihre bisherigen Präventionsempfehlungen. Der Kodex enthält 14 wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen, mit denen jeder sein persönliches Krebsrisiko senken könne. Erstmalig umfasst er auch konkrete Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger.

Ein krebsvorbeugender Lebensstil beinhalte den Verzicht auf Tabak, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht sowie Schutz vor UV-Strahlung. Der Kodex warnt zudem nun auch vor dem Konsum von E-Zigaretten und Vapes. Weiter raten die Autoren zum vollständigen Verzicht auf Alkohol sowie auf die Nutzung von Solarien. 

Zum ersten Mal hat die IARC Umweltverschmutzung als Faktor aufgenommen und empfiehlt beispielsweise, sich mit Bus und Bahn sowie zu Fuß und mit dem Fahrrad fortzubewegen, anstatt das Auto zu nutzen, oder auf Feuerstätten in Innenräumen zu verzichten. Zwei separate Empfehlungen richten sich an Frauen. Für junge Mütter gilt: Möglichst langes Stillen senkt das Risiko für Brustkrebs. Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren sollten eine Hormonersatztherapie nur nach ärztlicher Rücksprache und so kurz wie nötig einsetzen.

Staat trägt Verantwortung, gesundes Verhalten zu fördern

Die IARC fordert wirksame gesetzliche Maßnahmen, damit gesunde Entscheidungen im Alltag leichter fallen. Dazu zählen höhere Steuern auf Tabak- und Nikotinprodukte, Alkohol, zuckerreiche Lebensmittel und stark verarbeitetes Fleisch. Ergänzend sollen Informationskampagnen die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken.

Auch beim Impfschutz sieht die IARC eine zentrale staatliche Verantwortung. Sie empfiehlt, Impfprogramme gegen Hepatitis B und humane Papillomaviren auszubauen. Darüber hinaus müssen politische Entscheidungsträger für bessere Arbeitsschutzmaßnahmen sorgen, insbesondere bei Menschen, die im Freien oder mit krebserregenden Stoffen arbeiten. Durch kluge Stadtplanung soll zudem die Luftqualität verbessert werden, etwa indem Schulen und Kitas nicht an stark befahrenen Straßen errichtet werden.

Die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) fordern, dass Deutschland seine Präventionspolitik stärker an den Empfehlungen der WHO ausrichtet, um das Potenzial der Krebsprävention auszuschöpfen. „Allein im Jahr 2023 erhielten rund 520.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Krebs. Zwei von fünf dieser Erkrankungen wären durch gesundheitsbewusstes Verhalten vermeidbar gewesen“, erklärt Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ, dazu. Viele der Schicksale könnten durch Prävention und Früherkennung verhindert oder deutlich abgemildert werden. Dass der Kodex nun erstmals auch die Politik in die Pflicht nimmt, begrüße das DKFZ sehr.

Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, ergänzt in der Mitteilung zum Krebskodex: „Krebsprävention ist mehr als eine individuelle Aufgabe. Es bedarf einer Gesetzgebung, die gesunde Lebensräume für alle schafft. Prävention und Gesundheitsförderung müssen deshalb ein zentraler Bestandteil politischer Strategien sein. Das Wissen ist vorhanden – wir müssen das enorme Präventionspotenzial endlich nutzen! Davon würde jeder und jede Einzelne sowie die Gesellschaft als Ganzes profitieren.“

Die Zahlen zeichnen zudem ein differenziertes Bild. Obwohl die absolute Zahl der Krebsneuerkrankungen aufgrund des demografischen Wandels weiter zunimmt, haben sich die altersstandardisierten Inzidenz- und Mortalitätsraten vieler Krebsarten – also bereinigt um den demografischen Wandel – in den letzten Jahren stabilisiert oder sogar leicht verringert.

Die meisten Krebserkrankungen treten ab dem 65. Lebensjahr auf. Zuvor trifft eine solche Krankheit laut RKI etwa jede sechste Frau und jeden siebten Mann. Insgesamt erkrankt fast jeder zweite Mensch in Deutschland im Laufe seines Lebens an Krebs: Bei 49 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen wird eine Krebserkrankung festgestellt.

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