Finanzmisere der gesetzlichen Krankenversicherung verschärft sich
Das geht aus vorläufigen Rechnungsergebnissen hervor, die das Bundesgesundheitsministerium (BMG) am Dienstag veröffentlicht hat. „Die vorläufigen Finanzergebnisse unterstreichen die schwierige Lage in der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Ab 2027 seien in der GKV jedes Jahr Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe zu erwarten. Das zentrale politisches Ziel bleibe die nachhaltige Stabilisierung der Beitragssätze.
Laut Warken ist der Reformdruck „gewaltig"
Die Ministerin verwies darauf, dass die Finanzkommission Gesundheit Ende März entsprechende Vorschläge vorlegen soll. Auf dieser Grundlage werde man „zügig“ den Gesetzgebungs- und Reformprozess starten. Der Reformdruck sei gewaltig. Daher müssten „alle Akteure des Gesundheitswesens ihren Beitrag leisten“, sagte Warken.
Die 93 Krankenkassen erzielten im vergangenen Jahr einen Überschuss in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Diese Mittel dienen den Kassen laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) jedoch vorrangig dazu, ihre Finanzreserven auf das gesetzliche Mindestniveau aufzufüllen. Die Finanzreserven der Krankenkassen betrugen zum Ende des Jahres 2025 rund 5,1 Milliarden Euro. Dies entspricht 0,18 Monatsausgaben: Die gesetzlich vorgesehene Mindestreserve beträgt 0,2 Monatsausgaben.
Der durchschnittliche Zusatzbeitrag lag bei 2,94 Prozent
Wie das BMG mitteilte, standen im Jahr 2025 den Einnahmen der Krankenkassen in Höhe von 355,9 Milliarden Euro Ausgaben in Höhe von 352,4 Milliarden Euro gegenüber. Der durchschnittlich von den Kassen erhobene Zusatzbeitragssatz entsprach Ende Dezember 2,94 Prozent und lag damit deutlich oberhalb des Ende Oktober 2024 für das Jahr 2025 bekanntgegebenen durchschnittlichen ausgabendeckenden Zusatzbeitragssatzes von 2,5 Prozent.
Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15. Januar 2026 über eine Liquiditätsreserve von rund 7,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im vorläufigen Rechnungsergebnis 2025 ein Defizit von 0,6 Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen (ohne Zusatzbeiträge) stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent.
Die GKV-Leistungsausgaben stiegen um 7,9 Prozent (24,6 Milliarden Euro) ähnlich stark wie im Jahr 2024 und weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Die Verwaltungskosten der Kassen stiegen um 4,7 Prozent (602 Millionen Euro) auf 13,29 Milliarden Euro – das sind etwa vier Prozent der Gesamtausgaben.
Kosten für Klinikbehandlungen stark gestiegen
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen stiegen 2025 um 9,6 Prozent (9,7 Milliarden Euro) auf 111,43 Milliarden Euro. Damit stellten sie laut BMG „den maßgeblichen Treiber der hohen Ausgabendynamik dar“. Der prozentuale Zuwachs liegt laut BMG mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt der jährlichen Zuwächse im Zeitraum 2013 bis 2024 und übertreffe die Dynamik im bisherigen Rekordjahr 2024.
Die Aufwendungen für die Versorgung mit Arzneimitteln stiegen um 5,9 Prozent (3,2 Milliarden Euro) auf 58,49 Milliarden Euro. Damit stiegen auch die Arzneimittelausgaben stärker als im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2024.
Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel stiegen um 7,9 Prozent
Bei den ambulant-ärztlichen Behandlungen erhöhten sich die Ausgaben im Jahr 2025 um 7,6 Prozent (3,8 Milliarden Euro) auf 53,95 Milliarden Euro. Besonders kräftig gestiegen sind demnach die Ausgaben für das ambulante Operieren (15,7 Prozent, 417 Millionen Euro). Das BMG verweist hierzu darauf, dass 2024 Eingriffe mit spezieller sektorengleicher Vergütung (Hybrid-DRGs) eingeführt wurden.
Die Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel stiegen von gut 25 Milliarden um 7,9 Prozent auf 26,98 Milliarden Euro. Dynamisch wirkte sich, so das BMG, in 2025 die Entwicklung der Aufwendungen für Heilmittelversorgung mit erweiterter Versorgungsverantwortung der Heilmittelerbringer (sogenannter „Blankoverordnung“) aus, für die 2025 Aufwendungen von 557 Millionen Euro in der Physiotherapie und 439 Millionen Euro in der Ergotherapie verzeichnet wurden.
Auch die Aufwendungen für Fahrkosten verzeichnen mit 8,9 Prozent (plus 852 Millionen Euro auf 10,41 Milliarden Euro) eine hohe Wachstumsrate.






