Gesundheits-Apps bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück
Mobile Health wird vor allem zur Selbstoptimierung genutzt – und deutlich seltener für konkrete gesundheitliche oder medizinische Zwecke. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Befragung des Beratungsunternehmens Deloitte unter 2.000 Menschen in Deutschland.
33 Prozent der Befragten geben an, digitale Gesundheitsangebote vor allem zur Verbesserung ihres Lebensstils zu nutzen. Jeweils 25 Prozent nennen die Überwachung des eigenen Gewichts und die Selbstoptimierung als Motiv. Dagegen verwenden lediglich 18 Prozent Gesundheits-Apps oder vernetzte Geräte zur Überwachung chronischer Erkrankungen. Nur 13 Prozent nutzen sie auf Empfehlung eines Arztes.
Bewegung, Schlaf, Ernährung statt Herzgesundheit oder Telemedizin
Den größten Mehrwert der Apps und Tracker sehen Verbraucher in den Bereichen Bewegung (23 Prozent), Schlaf (zehn Prozent) und Ernährung (neun Prozent).
Medizinische Einsatzgebiete spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. Nur sieben Prozent nennen die Herzgesundheit als wichtigsten Nutzen, sechs Prozent die Telemedizin. Und 30 Prozent der Befragten nehmen „überhaupt keinen spürbaren gesundheitlichen Nutzen durch Smartphones oder Wearables“ wahr.
Die Generationen driften auseinander
Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Altersgruppen: Mobile Health ist bislang vor allem ein Thema für jüngere, technologieaffine Menschen, zeigt die Umfrage.
Bei den 25- bis 34-Jährigen nutzen demnach beispielsweise 80 Prozent eine Smartwatch – oder erwägen es, eine Smartwatch nutzen zu wollen. Bei den über 65-Jährigen sind es dagegen lediglich 44 Prozent.
Einfachheit entscheidet
Eine mögliche Erklärung liefert die Umfrage selbst: Für 77 Prozent der Befragten ist eine einfache Bedienung die wichtigste Voraussetzung für digitale Gesundheitsangebote. Damit steht nicht die technische Leistungsfähigkeit im Vordergrund, sondern die Frage, ob Menschen ein Gerät oder eine Anwendung tatsächlich problemlos in ihren Alltag integrieren können.
„Um deutlich mehr Menschen zu erreichen, müssen Anbieter den Fokus konsequent auf die Benutzerfreundlichkeit legen“, sagt Andreas Gentner, Leiter des Bereichs Telekommunikation, Medien und Technologie bei Deloitte. Gerade ältere Menschen müssten stärker in den Mittelpunkt der Entwicklung gestellt werden.
Zahlungsbereitschaft bleibt gering
Ein weiteres Hindernis für die Verbreitung digitaler Gesundheitsangebote ist der Preis. Für jede der in der Studie untersuchten Gesundheitsanwendungen würde mehr als die Hälfte der Befragten kein Geld ausgeben wollen.
Auch bei smarten Gesundheitsgeräten wie Fitnesstrackern, Smartwatches oder Gesundheitsringen sinkt die Investitionsbereitschaft mit zunehmendem Alter.
Wearables ersetzen den Arzt nicht – sie führen zu ihm
Die Befragung zeigt gleichzeitig, dass die Digitalisierung keineswegs zwangsläufig zu einer Verdrängung klassischer medizinischer Versorgung führt. Im Gegenteil: Wearables könnten den Arzt sogar stärker einbinden. So sind 83 Prozent der Befragten grundsätzlich positiv gegenüber der Möglichkeit eingestellt, dass Ärzte nach vorheriger Zustimmung Daten aus Smartphone oder Wearables in die Behandlung einbeziehen. Auch die Bereitschaft, die eigenen Gesundheitsdaten mit dem behandelnden Arzt zu teilen, ist hoch: Nur elf Prozent würden dies grundsätzlich nicht tun.
Grundlage der Untersuchung ist eine im Juli 2026 durchgeführte Online-Befragung von 2.000 Menschen in Deutschland. Die Stichprobe wurde nach Alter und Geschlecht gewichtet. Erhoben wurden unter anderem die Nutzung digitaler Gesundheitsangebote, deren wahrgenommener Nutzen, die Akzeptanz von Wearables, Zahlungsbereitschaft sowie der Umgang mit Gesundheitsdaten und deren Weitergabe an Ärztinnen und Ärzte.


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