IGES Institut warnt vor GKV-Finanzlücke von bis zu zwölf Milliarden Euro
In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) droht 2027 eine Finanzlücke von bis zu zwölf Milliarden Euro. Wie die DAK-Gesundheit am Montag mitteilte, ergaben dies Berechnungen des IGES Instituts. Durch die Finanzlücke könnte im kommenden Jahr auf Versicherte und Arbeitgeber ein erneuter Beitragssatzanstieg von 0,6 Punkten zukommen. Bis zum Jahr 2035 könnte ferner die Abgabenlast aller Sozialzweige insgesamt die Marke von 50 Prozent erreichen, heißt es.
„Für alle Beteiligten ein letzter Warnschuss“
Das Ergebnis der IGES-Analyse „sollte für alle Beteiligten ein letzter Warnschuss sein, um schnell und mutig die notwendigen Reformen anzugehen,“ sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm bei der Präsentation der Zahlen. Noch in diesem Jahr müssten Reformen auf den Weg gebracht werden.
Demnach erwartet das IGES Institut im kommenden Jahr in der GKV und in der sozialen Pflegeversicherung finanzielle Mehrbelastungen von mehr als 17 Milliarden Euro. Allein in der GKV drohe eine Finanzlücke von 11,8 Milliarden Euro.
2027 ein GKV-Beitrag von 18,3 Prozent?
Stiegen die Ausgaben der GKV weiter stark an, werde dies zu einer Mehrbelastung von 6,8 Milliarden Euro führen. Dazu komme der Wegfall des Bundesdarlehens (2,3 Milliarden Euro), der Wegfall des „kleinen Sparpakets“ (1,7 Milliarden Euro) sowie die voraussichtliche Anhebung des Apotheken-Fixums (1 Milliarde Euro). Auf die soziale Pflegeversicherung kommen 2027 den Berechnungen zufolge Mehrbelastungen in Höhe von 5,5 Milliarden Euro zu; davon 2,3 Milliarden Euro durch anhaltend starkes Ausgabenwachstum und 3,2 Milliarden Euro durch den Wegfall des Bundesdarlehens.
Durch den ungedeckten Finanzbedarf in der gesetzlichen Krankenversicherung in Höhe von 11,8 Milliarden Euro prognostiziert das IGES Institut für kommendes Jahr einen Beitragssatzanstieg von rund 0,6 Punkten gegenüber dem im Januar 2026 ausgabendeckenden durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 3,08 Prozent. Laut Analyse würde der Beitragssatz in der GKV im kommenden Jahr durchschnittlich auf 18,3 Prozent steigen und 2033 die Marke von 20 Prozent erreichen. In der Pflegeversicherung drohe 2027 ein Sprung um 0,3 Punkte auf 4,1 Prozent.
Bis zum Jahr 2033 ergebe sich laut der Auswertung eine mögliche Beitragsbelastung von 5 Prozent. Für alle vier Zweige der Sozialversicherung sagt das IGES Institut für 2027 einen Sozialversicherungsbeitragssatz von insgesamt 43,6 Prozent voraus, der weiter ansteigen und 2035 die Marke von 50 Prozent erreichen könnte.
Wissenschaftler des IGES Instituts hatten im Auftrag der DAK-Gesundheit die voraussichtliche Beitragsentwicklung bis 2035 für alle Zweige der Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) berechnet. Dafür zogen sie Eckpunkte zum Bundesetat und aktuell verfügbare Daten der zuständigen Bundesministerien sowie der beteiligten Sozialversicherungsträger heran.



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