Jede zehnte Krebserkrankung könnte mit überschüssigem Körperfett zusammenhängen
Übergewicht und insbesondere Adipositas sind bekannte Risikofaktoren für verschiedene Krebserkrankungen. Neue DKFZ-Daten zeigen, dass nach Berücksichtigung aussagekräftigerer Maße für Körperfett sowie methodischer Verzerrungen mehr als zehn Prozent aller Krebserkrankungen auf erhöhtes Körpergewicht zurückzuführen sein könnten – fast doppelt so viele wie bisherige Schätzungen vermuten ließen. Bisherige Untersuchungen gingen von einem Anteil von zwei bis acht Prozent aus.
Der Epidemiologe Hermann Brenner und sein Team vom DKFZ analysierten Daten von 458.543 Frauen und Männern aus der britischen UK Biobank, um den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs zu untersuchen. Die Teilnehmenden wurden im Median fast zwölf Jahre lang beobachtet. Während dieses Zeitraums traten mehr als 50.000 neue Krebserkrankungen auf.
Gewicht und Größe allein reichen nicht aus
Verglichen wurden neben dem BMI auch der Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis als Maße für die Fettverteilung, denn der BMI unterscheidet weder zwischen Fett- und Muskelmasse, noch liefert er Informationen darüber, wo sich Fett im Körper ansammelt. Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis bieten ergänzende Informationen zur Fettverteilung und gelten daher als aussagekräftigere Indikatoren für das gesundheitlich relevante Körperfett als der BMI allein.
Anteil der Krebsfälle durch Übergewicht stieg von 5,5 auf bis zu 11,5 Prozent
Brenner und sein Team gingen in der aktuellen Untersuchung außerdem ein methodisches Problem an: Viele Tumoren verursachen bereits vor ihrer Diagnose einen ungewollten Gewichtsverlust (B-Symptomatik). Um mögliche Verzerrungen durch den Gewichtsverlust vor der Diagnose zu vermeiden, schlossen sie schrittweise die ersten Jahre nach Studieneintritt der Teilnehmer aus.
Zusammengefasst ergaben die neuen Analysen deutlich höhere Werte für den Anteil aller Krebserkrankungen, der auf Übergewicht zurückzuführen ist. Unter Berücksichtigung aller methodischen Verbesserungen der Analysen stieg der ermittelte Anteil der durch Übergewicht verursachten Krebsfälle von rund 5,5 auf bis zu 11,5 Prozent. Damit könnte mehr als jede zehnte Krebserkrankung mit überschüssigem Körperfett zusammenhängen.
Frauen scheinen stärker betroffen zu sein
Die Auswertungen deuten außerdem darauf hin, dass der durch Übergewicht bedingte Anteil der Krebserkrankungen bei Frauen höher sein könnte als bei Männern. Auch bei jüngeren Erwachsenen unter 60 Jahren könnte das Körperfett tendenziell eine größere Rolle spielen.
Nach Einschätzung von Hermann Brenner unterstreichen die Ergebnisse die Dringlichkeit, der weltweiten Zunahme des Übergewichts entschlossen entgegenzutreten.
Adhikari LK, Safizadeh F, Mandic M, Brenner H: Excess Weight May Account for More than Ten Percent of all Cancers: The Underestimated Impact of the Obesity Epidemic. Cancer Communications 2026, DOI: 10.34133/cancomm.0040


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