Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Gemeinsame Erklärung der ärztlichen Berufsorganisationen

KBV und BÄK kritisieren Vorschläge der ABDA zur Primärversorgung scharf

sth
Politik
Vergangene Woche brachte die ABDA die Apotheken in Deutschland als Player im geplanten Primärversorgungssystem ins Spiel. „Nein, danke!“, hieß es kurz darauf aus der Ärzteschaft.

Den von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) „proklamierten Schulterschluss mit der Ärzteschaft gibt es nicht. Jedenfalls nicht, was deren jüngst verkündete Pläne einer Primärversorgung durch Apotheken angeht“, stellten Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), und Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), gleich zu Beginn einer gemeinsamen Stellungnahme klar.

Klare Absage für „Primärversorgung light“

Den von der ABDA skizzierten Ausbau medizinischer Leistungen in den Apotheken bezeichneten die ärztlichen Berufsorganisationen als „Primärversorgung light“ und erteilten den Vorschlägen „eine klare Absage“.

„Hochwertige Primärversorgung“ lebe „von einer umfassenden ärztlichen Diagnostik, von Therapieentscheidungen auf Grundlage eines ganzheitlichen Krankheitsverständnisses und von klar geregelter Verantwortungsübernahme“, sagte Reinhardt. „Alles das lässt sich nicht durch punktuelle, selektive Angebote in Apotheken ersetzen. Wer Primärversorgung neu ordnet, darf sie nicht fragmentieren.“ Genau darauf liefen die Vorschläge der ABDA jedoch hinaus. Aus Sicht des Ärztepräsidenten würden in einem solchen System überdies Parallelstrukturen geschaffen, die zu mehr Bürokratie führen.

Gassen: Apotheken möchten von Kürzungen im ärztlichen Sektor profitieren

KBV-Chef-Gassen bezeichnete die Vorschläge der ABDA als abwegig: „Die Idee einer Primärversorgung durch nichtärztliche Berufe mag für Apotheken finanziell verlockend sein, führt aber zu einer deutlichen Verschlechterung der Versorgung und zu Zusatzkosten.“

In diesem Zusammenhang prangerte Gassen erneut an, dass das Bundesgesundheitsministerium plane, bei den niedergelassenen ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen 2,7 Milliarden Euro einzusparen. „Dieses einseitige Spardiktat trifft die Niedergelassenen und ihre Patienten ins Mark. Praxen müssen sich auf diese Sparmaßnahmen einstellen und das Leistungsangebot anpassen. Offensichtlich möchten die Apotheker hiervon profitieren“, so Gassen.

Virchowbund: „Wer alles machen will, der macht nichts richtig gut“

Auch der Virchowbund meldete sich in der Debatte zu Wort. Der Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland warf der ABDA vor, die eigene Kompetenzausweitung mit einer Bagatellisierung der Versorgung zu kombinieren. „Zu jeder Testung gehört eine ärztliche Abklärung, jede Diagnose muss von einem Arzt gestellt werden und auch die Verlaufskontrolle ist eine ärztliche Aufgabe. Die eigenständige Zuschreibung von ärztlichen Qualifikationen führt folglich bei den Apothekern, aber auch bei den Ärzten, zu einer Marginalisierung von Versorgung und zur Deprofessionalisierung beider akademischen Heilberufe“, warnte der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dr. Dirk Heinrich.

Diese neue Aufgabenverteilung schlägt die ABDA vor

In dem Positionspapier „Die zukünftige Rolle der Apotheke in der Primärversorgung“ spricht die ABDA unter anderem davon, mehr Präventions- und Früherkennungsangebote in den Apotheken anzubieten. Möglich sei auch, dass sich Apothekerinnen und Apotheker im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt an der pharmazeutischen Nachbetreuung von Risikopatientinnen und -patienten beteiligen oder eine zentrale Rolle bei der digitalen Ersteinschätzung von Beschwerden spielen.

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.

Zum Seitenanfang springen