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Medizinischer Meilenstein in der MKG-Chirurgie

Kiefergelenk-Endoprothese behebt temporomandibuläre Ankylose

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Zahnmedizin
An Helios Kliniken in Kassel wurde eine patientenspezifische Kiefergelenk-Endoprothese implantiert. Der hochspezialisierte Eingriff ermöglicht der 55-jährigen Patientin nach jahrelangem Leidensweg wieder eine nahezu normale Mundöffnung.

Die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) lobt den Fall als gelungenes Beispiel dafür, wie individualisierte Medizin und spezialisierte MKG-Chirurgie selbst in schwersten Fällen neue Perspektiven eröffnen können.

Die Mundöffnung war auf fünf Millimeter reduziert

Für Ayshe Nuri war selbst Alltägliches wie Essen oder Zähneputzen über Jahre hinweg kaum möglich. Im Anschluss an eine Unterkieferfraktur entwickelte sich im Heilungsverlauf eine temporomandibuläre Ankylose: Der Unterkiefer war knöchern mit dem Schädelknochen fusioniert, das rechte Kiefergelenk durch eine ausgeprägte knöcherne Masse („Ankylosenblock“) vollständig ersetzt. Zuletzt betrug die maximale interinzisale Mundöffnung nur noch etwa fünf Millimeter.

„Die Nahrungsaufnahme war für die Patientin ausschließlich in Form von Brei möglich, was zu einer stark verminderten Lebensqualität führte“, berichtet Prof. Hendrik Terheyden, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie an den Helios Kliniken Kassel. Mehrere operative Behandlungsversuche an verschiedenen Kliniken blieben ohne Erfolg – bis Nuri einen neuen Versuch an den Helios Kliniken in Kassel startete.

Die patientenspezifische Endoprothese war der Wendepunkt

In einer etwa zweistündigen Operation implantierte das Team der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie eine individuell angefertigte Kiefergelenks-Endoprothese. Bereits kurz nach dem Eingriff konnte die Patientin ihren Mund wieder etwa zehn Millimeter öffnen – eine Verdopplung gegenüber dem präoperativen Zustand.

„Für Außenstehende erscheinen wenige Millimeter unbedeutend. Für diese Patientin bedeutete dieser Moment Freiheit und Hoffnung“, veranschaulicht Terheyden.Durch konsequentes postoperatives Training konnte die Mundöffnung inzwischen auf 30 Millimeter gesteigert werden – ein Wert nahe dem Normbereich. Die Patientin kann wieder normal kauen, mit Genuss essen und sich die Zähne putzen.

Bedeutung für die moderne MKG-Chirurgie

Die Implantation patientenspezifischer Kiefergelenk-Endoprothesen stellt laut DGMKG einen hochkomplexen Eingriff dar, der eine sorgfältige präoperative Planung, moderne Bildgebung sowie große operative Expertise erfordert. Dabei sei höchste Präzision gefordert, denn der Biss muss postoperativ im Submillimeterbereich passen.

Zudem sei die Resektion der Ankylose an der Schädelbasis mit Risiken verbunden. „Beide Anforderungen können mithilfe der virtuellen Computerplanung über Resektionsschablonen und die hohe Passgenauigkeit der patientenindividuell im 3-D-Titandruck angefertigten Prothese erfüllt werden“, schildert die DGMKG das Vorgehen.

„Solche Eingriffe zeigen eindrucksvoll, wie individualisierte Medizin und spezialisierte MKG-Chirurgie selbst in schwersten Fällen neue Perspektiven eröffnen können“, betont Terheyden.

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