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Digitale Service-Plattformen bei den Freien Berufen

Ohne klare Regeln drohen neue Abhängigkeiten!

sth
Politik
Digitale Plattformen wie zur Terminvergabe verändern den Zugang zu freiberuflichen Leistungen. Der Bundesverband der Freien Berufe und die Bundeszahnärztekammer sehen viele Vorteile – aber auch Risiken.

Sie machen Angebote sichtbarer und helfen Freiberuflerinnen und Freiberuflern, geschäftliche Daten schneller zu verarbeiten. Über die Stärken digitaler Service-Plattformen herrschte bei der gemeinsamen Veranstaltung „Monopolbildung im digitalen Raum und ihre Auswirkungen auf freiberufliche Strukturen“ des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) Ende Juni in Berlin kein Zweifel.

„Jedoch ohne klare Regeln drohen neue Abhängigkeiten, Marktmacht weniger Anbieter und ein Verlust an Unabhängigkeit und Vertrauen“, lautete ihr gemeinsames Fazit.

BFB-Präsident Dr. Stephan Hofmeister forderte daher: „Freie Berufe leben von persönlicher Verantwortung, fachlicher Unabhängigkeit und dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Diese Prinzipien müssen auch in digitalen Märkten gelten.“

So sieht es in der Zahnmedizin aus

BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler betonte, dass Plattformen inzwischen weit über reine Vermittlungsdienste hinausgingen. „Sie beeinflussen Suchergebnisse, Terminvergabe, Preiswahrnehmung und den Zugang zur Versorgung. Damit greifen sie in Bereiche ein, die bislang durch Berufsrecht und analoge Leistungserbringung geprägt waren. Dieses Regelungsgefälle muss politisch geschlossen werden“, sagte sie bei der Veranstaltung.

Am Beispiel des zahnärztlichen Sektors wurde deutlich, dass digitale Plattformen zwar Effizienzgewinne ermöglichen, zugleich aber neue Abhängigkeiten schaffen können. Wenn wenige Anbieter den Zugang zu den Patienten steuern oder Preiswettbewerb in den Vordergrund rückt, geraten berufliche Unabhängigkeit, Qualitätsorientierung und faire Wettbewerbsbedingungen unter Druck, betonte Ermler.

Wie kann eine faire digitale Ordnung aussehen?

Bei der anschließenden Panel-Diskussion, an der Fachleute aus Plattformwirtschaft, Datenschutz, Politik und Medien teilnahmen, ging es um Wege zu einem ausgewogenen digitalen Wettbewerb und die Rolle der Freien Berufe in einer zunehmend plattformbasierten Wirtschaft.

In der Diskussion wurden digitale Plattformen aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick genommen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Relevanz wirksamer Regulierung aus Sicht der Freien Berufe.

Dabei ging es um Resilienz, auch aus europäischer Perspektive, die Befähigung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz als bildungspolitischen Auftrag, Datenschutz als Vertrauensfaktor sowie um die Frage, wie der Einsatz von KI berufsrechtskonform ausgestaltet werden kann. Basis einer fairen digitalen Ordnung, lautete eine Schlussfolgerung, seien Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Meinungsfreiheit.

Wettbewerb ja, Monolpolisierung nein

Die Teilnehmenden begrüßten daher, dass der europäische Digital Markets Act sowie grundsätzlich der aktuelle Referentenentwurf für ein Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen die Marktmacht großer Plattformen stärker in den Blick nehmen.

Für BZÄK und BFB stand zudem außer Frage: Es muss ein Rechtsrahmen geschaffen werden, der Wettbewerb ermöglicht, zugleich aber Monopolisierung verhindert und die bewährten Strukturen der Freien Berufe schützt. Digitalisierung dürfe Verantwortung nicht ersetzen, sondern müsse sie unterstützen.

Auf dem Panel waren Dr. Albrecht von Sonntag, Co-Founder von idealo, Dr. Clara Herdeanu, Chief Communications Officer bei Noxtua, Björn Borrmann, Legal Director Public Policy und Government Affairs bei GetYourGuide und Vertreter des Start-up-Verbands, Thomas Spaeing, Vorsitzender des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands und BFB-Vorstandsmitglied, sowie Honey Deihimi, LL.M., Abteilungsleiterin der Abteilung Demokratie und Engagement im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, vertreten.

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