Welt-Aids-Tag am 1. Dezember

Studie: So denkt Deutschland über das Leben mit HIV

65 Prozent der Deutschen haben keine Berührungsängste mit dem Thema HIV/Aids - jedoch sind 23 Prozent der Meinung, dass Menschen mit HIV an ihrer Erkrankung selbst schuld sind. Das geht aus einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Welt-Aids-Tages hervor.

2017 findet der Welt-Aids-Tag zum 29. Mal statt. Seit 1988 wird er jährlich am 1. Dezember begangen. BZgA 2017

Die Ergebnisse der bundesweiten Umfrage zeigen, dass es generell in der Bevölkerung ein hohes Bewusstsein für die Thematik HIV/Aids gibt: So halten 97 Prozent der Befragten es nach wie vor für wichtig, über HIV/Aids informiert zu sein. Allerdings zeigen die Daten auch, dass es für Teile der Bevölkerung im alltäglichen Umgang mit HIV-positiven Menschen immer noch Unsicherheiten und Vorurteile gibt: So sind 23 Prozent der Befragten der Meinung, dass Menschen mit HIV an ihrer Erkrankung selbst schuld sind.

„Die Bedenken und Sorgen der Menschen vor Ansteckung werden über verschiedene Lebensbereiche hinweg umso größer, je direkter ihr (Körper-)Kontakt zu HIV-Positiven ist", erläutert Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA.

BdZM und BZÄK zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember

Der BdZM und die BZÄK weisen zum Welt-Aids-Tag darauf hin, dass die meisten Sorgen vor einer Übertragung von HIV, HBV oder HCV in der Praxis unbegründet sind - und geben Zahnmedizinstudenten Infos an die Hand.

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Fast alle Befragten (94 Prozent) würden bedenkenlos mit HIV-positiven Menschen am selben Arbeitsplatz arbeiten. Fast genauso viele (91 Prozent) würden einem HIV-positiven Menschen die Hand geben, 87 Prozent hätten auch hinsichtlich eines gemeinsamen Fußballspiels keine Vorbehalte.

Auch die Behandlung in einer Arztpraxis, in der auch HIV-positive Menschen behandelt werden (84 Prozent) und das Umarmen HIV-positiver Menschen (83 Prozent) wäre für die große Mehrheit der Befragten kein Problem. Dieselben Sportgeräte im Fitnessstudio würden immerhin noch knapp drei Viertel (72 Prozent) bedenkenlos nutzen.

 

Daten & Fakten zu HIV/Aids weltweit

  • Weltweit leben etwa 36,7 Millionen Menschen mit HIV.
  • 2016 kam es zu circa 1,8 Millionen Neuinfektionen, davon etwa 160.000 bei Kindern.
  • 57 Prozent der Betroffenen haben bislang Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten.
  • Seit Anfang der 1980er-Jahre bis 2013 haben sich etwa 76,1 Millionen Menschen mit HIV infiziert; 35 Millionen Menschen sind bereits an den Folgen gestorben, 2016 starben weltweit etwa 1 Million Menschen.
  • Mit fast 43 Prozent aller HIV-Neuinfektionen sind Ost- und Südafrika am stärksten betroffen.
  • Besonders in Osteuropa und Zentralasien ist die Zahl der Neuinfektionen in jüngerer Vergangenheit deutlich gestiegen, 2016 allein um 190.000.
  • In Deutschland leben heute rund 88.400 Menschen mit HIV.
  • Etwa 30.000 Menschen sind bisher in Deutschland an den Folgen von Aids gestorben.

 

Dieselbe Toilette zu nutzen würde allerdings bereits mehr als einem Viertel (27 Prozent) Bedenken bereiten, auch wenn eine Mehrheit von 71 Prozent damit eher keine Probleme hätte. Bei gemeinsamer Geschirrnutzung äußerte ein Drittel der Befragten Bedenken oder schloss diese für sich aus, knapp zwei Drittel hatten diesbezüglich hingegen keine Befürchtungen.

Fast jeder Zweite (47 Prozent) fand es besorgniserregend, von einem HIV-positiven Menschen angehustet zu werden. Einen HIV-positiven Menschen, zu dem man sich emotional hingezogen fühlt, zu küssen, bereitete 55 Prozent Probleme. Nur 14 Prozent aller Befragten würden mit einem HIV-positiven Menschen sicher oder vielleicht Sex mit Kondom haben, drei Viertel schlossen dies für sich hingegen als wahrscheinlich (16 Prozent) oder sogar sicher (59 Prozent) aus.

Diskriminierung besonders häufig im Gesundheitswesen

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat 2012 eine Umfrage unter 1.148 Menschen mit HIV durchgeführt. Damals gaben mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Befragten an, sie hätten im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erlebt – von Tratsch über Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen. Besonders häufig sei dabei die Diskriminierung im Gesundheitswesen.

Rund 20 Prozent der Befragten wurde im Jahr vor der Befragung aufgrund von HIV eine medizinische Behandlung verweigert. Sie erhielten zum Beispiel keinen Termin. Oft werde Menschen mit HIV auch nur der letzte Termin am Tag angeboten, weil Mediziner sowie Praxispersonal fälschlich davon ausgehen, dass danach besondere Reinigungsmaßnahmen notwendig sind. Laut Umfrage erlebten HIV-Positive oft überzogene Vorsichtsmaßnahmen: Der Röntgenarzt trägt plötzlich Handschuhe oder man bekommt beim Krankenhausaufenthalt eine eigene Toilette zugewiesen. Nicht selten kommt es auch zum Bruch der Schweigepflicht: In vielen Krankenhäusern werden noch immer Patientenakten gekennzeichnet – oft sichtbar für Dritte.

Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einer bundesweiten, repräsentativen Umfrage die Einstellung der Bevölkerung zum Thema „Leben mit HIV“ erhoben. Über 1.000 Deutsche über 16 Jahren wurden per Telefoninterviews befragt. Die Studie im Original finden Sie hier.

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