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Praxisübernahme vor den Toren Berlins – Teil 6

Das richtige Pricing

Wer die Kostenstruktur seiner Praxis genau kennt, weiß, welche Einnahmen erforderlich sind, um rentabel zu arbeiten. © m2c
Jonas Kock
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Nadja Alin Jung
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Selbstständig gemacht hat sich Vladislava Drljaca mit ihrer Praxis „aesthetiko“ im Sommer 2024 im brandenburgischen Teltow. Zu ihren wichtigsten To Dos gehört eine tragfähige Preisgestaltung. Denn wer auf lange Sicht erfolgreich sein will, muss ein rentables Pricing-Konzept verfolgen – und dabei die Patienten mitnehmen.

Auch Drljaca stand vor dieser Herausforderung: „Fest stand, dass ich die Preise würde anpassen müssen. Mein Vorgänger hat fast ausschließlich Kassenleistungen angeboten. Ich war mir auch darüber im Klaren, dass ich meinen Patienten die Umstrukturierungen gut würde erklären müssen“, erinnert sie sich.

Ihr Pricing-Konzept sollte sich in erster Linie an den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen orientieren. Zu den wichtigsten Faktoren gehören das im Businessplan ausgewiesene Gewinnziel und die Kostenstruktur der Praxis. Denn eine rentable Preisgestaltung gelingt nur mit dem Blick auf die Ausgaben. Ebenfalls im Businessplan vermerkt ist die prognostizierte Einnahmenentwicklung, also der zu erreichende Umsatz und Gewinn. Wer beides – Kostenstruktur und Gewinnziel – berücksichtigt, kann solide kalkulieren.

Nicht auf die Konkurrenz schielen!

Die einstige Preisgestaltung des Abgebers sollte jedenfalls nicht ausschlaggebend für das neu zu definierende Pricing sein. Vielmehr gilt es, selbst rentabel zu wirtschaften und das persönliche Gewinnziel zu erreichen.

Die Orientierung an den Wettbewerbern ist ein beliebter Fehler, den Gründerinnen und Gründer bei der Preisgestaltung unbedingt vermeiden sollten. „Sich am Pricing benachbarter Praxen zu orientieren, ist überhaupt nicht zielführend. Schließlich kennen Sie deren Kostenstruktur gar nicht. Was für Sie zählt, ist einzig und allein Ihr Businessplan und das darin ausgewiesene Gewinnziel“, unterstreicht Berater Jonas Kock.

„Es hat mir schon in den Fingern gejuckt, herauszufinden, was die Kollegen für eine professionelle Zahnreinigung berechnen. Aber letztlich hätte mir dieses Wissen auch nicht weitergeholfen. Ich habe lieber überlegt, wie ich meinen Patienten am besten vermitteln kann, dass ich die Preise moderat erhöhen werde.“

Zahnärztin Vladislava Drljaca


Kasseneinnahmen allein tragen eine Zahnarztpraxis nicht. Deshalb führt an der Implementierung von Zuzahlerleistungen kein Weg vorbei. Der Businessplan weist aus, in welchem Umfang die Zuzahlerleistungen in den ersten drei Jahren wachsen sollten, um das Gewinnziel zu erreichen. Die wichtigsten Preisanpassungen hat Drljaca im Bereich der Füllungstherapie vorgenommen. Seitdem zeigt sie ihren Patienten die Vorteile ästhetischer Kunststofffüllungen auf: „Die Patienten merken in der Regel gleich, dass sie sich mit den zahnfarbenen Füllungen viel wohler fühlen und sehen, dass die Zuzahlung einen echten Gegenwert hat.“

Die Zuzahlerleistungen lassen sich gut veranschaulichen

Auch das regionale Fachgruppenniveau des Privatanteils bietet eine gute Orientierung. Drljaca startete bei der Übernahme mit einem unterdurchschnittlichen Privatanteil. Nun hat sie Implantate in ihr Portfolio aufgenommen – eine reine Privatleistung, die ihr Vorgänger gar nicht angeboten hat, und damit eine ideale Option, um den Privatanteil zu steigern.

Grundsätzlich zählt für die profitable Preisgestaltung außerdem, dass das Honorar für die zahnärztliche Leistung an sich angemessen berechnet ist und mögliche Labor- und Materialkosten, die zwar den Umsatz, nicht aber den Gewinn steigern, einkalkuliert werden. Optimierungspotenzial kann darüber hinaus zum Beispiel im Umgang mit GOZ-Steigerungsfaktoren, einer gründlicheren Dokumentation und GOZ-Abrechnung sowie im Recall liegen. Die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Abrechnungsdienstleister ist auch von Vorteil.

Nutzen Sie Optimierungspotenziale!

  • Zuzahlerleistungen implementieren und Privatanteil steigern

  • Zahnärztliches Honorar sinnvoll bemessen und Labor- und Materialkosten einkalkulieren

  • GOZ-Abrechnung und -Steigerungsfaktoren ausschöpfen

  • Zusammenarbeit mit einem Abrechnungsdienstleister erwägen

  • Praxissoftware einbeziehen (Statistiken, Recall, Ziffernketten etc.)

Ist das Pricing-Konzept ausgearbeitet, gilt es, den Patienten die neue Kostenstruktur zu erklären und im Beratungsgespräch transparent zu vermitteln, welche Leistung zu welchem Preis zu haben ist und welcher Nutzen damit einhergeht. Auf dieser Grundlage kann jeder Patient die für ihn passende Behandlung auswählen – und dank der soliden Kalkulation ist sichergestellt, dass die Praxis rentabel wirtschaftet.

Fazit

Das Pricing-Konzept ist das Herzstück des wirtschaftlichen Erfolgs. Vor allem Gründerinnen und Gründer sollten von Anfang an realistische Preise veranschlagen, die sich in aller erster Linie am Gewinnziel ausrichten.

Wer die Kostenstruktur seiner Praxis genau kennt, weiß, welche Einnahmen erforderlich sind, um rentabel zu arbeiten. Mit der Implementierung von Zuzahler- und Privatleistungen lässt sich der Gewinn steigern, aber auch andere Potenziale (wie die GOZ-Abrechnung) gilt es zu nutzen. In professionell geführten Beratungsgesprächen können Bestands- ebenso wie Neupatienten gut mitgenommen werden.

„aesthetiko“ – der Traum von der ­eigenen Praxis

Vladislava Drljaca ist eine echte Kämpfernatur. Vor zehn Jahren kam sie aus Serbien nach Berlin, um Deutsch zu lernen. Nach vielen Höhen und Tiefen ist sie heute nicht nur approbierte Zahnärztin, sondern Inhaberin einer eigenen Praxis. Für diesen Traum hat die Zahnärztin lange gekämpft. Mit „aesthetiko“ ging er schließlich in Erfüllung.


Lesen Sie auf zm-online auch die anderen Teile der Serie:

Auch Zahnärztin Drljaca stand anfangs vor der Herausforderung, die Preisgestaltung des ehemaligen Praxisinhabers anzupassen. Weil sie gleichzeitig den Beratungsprozess so umgestellt hat, dass die Patienten den qualitativen Mehrwert ihrer Behandlungsansätze verstehen und selbst entscheiden können, welche Lösung für sie die passende ist, wird das neue Pricing-Konzept sehr gut angenommen. „Natürlich können meine Patienten nach wie vor die Kassenleistung wählen. Viele entscheiden sich inzwischen aber für die hochwertigeren Optionen.“

Jonas Kock

KOCK CONSULTING GmbH | Beratung für die Heilberufe Berlin
KOCK CONSULTING GmbH | Beratung für die Heilberufe Berlin
Nadja Alin Jung

Nadja Alin Jung

Diplom-Betriebswirtin sowie Gründerin und Inhaberin von m2c – medical concepts & consulting, Marketing-Agentur für Heilberufe, Frankfurt am Main

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