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Repräsentative Befragung

Der Bevölkerung fehlen klare Handlungsschwellen bei Hitzeprävention

Während die Kommunikation des UV-Indexes klare und weithin verstandene Verhaltensschwellen etabliert hat, fehlt ein vergleichbares Verständnis für gesundheitsrelevante Hitzemaße und -Grenzwerte. Aleksandr Fedosov - stock.adobe.com
mg
Gesellschaft
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Für eine effektive Hitzeprävention fehlen laut einer Studie klare, leicht verständliche Schwellenwerte, wann Hitzeschutz angezeigt ist. Als Vorbild gelten Angaben zum UV-Index und daraus abgeleitete Maßnahmen.

Eine aktuelle, am Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD) der Medizinischen Fakultät Mannheim unter der Leitung von Vincent Brugger durchgeführte Studie hat erstmals systematisch untersucht, wie Menschen in Deutschland Wetterinformationen interpretieren und ab welchem Punkt sie Schutzmaßnahmen gegen Hitze und UV-Strahlung planen.

Die Ergebnisse zeigen: Während die Kommunikation des UV-Indexes (das international einheitliche Maß für die sonnenbrandwirksame UV-Bestrahlungsstärke) seit Jahrzehnten klare und weithin verstandene Verhaltensschwellen etabliert hat, fehlt ein vergleichbares Verständnis für gesundheitsrelevante Hitzemaße und -grenzwerte.

Die immer heißer werdenden Sommer führen bereits jetzt in Deutschland zu steigenden Zahlen hitzebedingter Erkrankungen und Sterblichkeit. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt in seinem bundesweiten Monitoring, dass allein im bisherigen Sommer rund 16.300 Menschen aufgrund von Hitze starben (Stand 10. September 2026).

„Durch den voranschreitenden Klimawandel und eine alternde Bevölkerung erwarten wir für die Zukunft eine weitere Zuspitzung sowohl der Belastung als auch der Anfälligkeit der Menschen durch Hitze. Darauf müssen wir die Bevölkerung vorbereiten“, sagt Prof. Dr. Falko Sniehotta, Leiter des CPD in Mannheim und Letztautor der Studie.

Warnungen verbessern nachweislich das Präventionsverhalten

WHO (Weltgesundheitsorganisation) und WMO (Weltorganisation für Meteorologie) empfehlen, auf regionale Warnsysteme zu setzen, die die Bevölkerung an heißen Tagen auf die Risiken durch das Wetter hinweisen. Die Warnungen verbessern nachweislich das Präventionsverhalten in der Bevölkerung.

Die Verhaltenswissenschaften legen außerdem nahe, dass insbesondere für individuell angepasstes Schutzverhalten verinnerlichte „Wenn-Dann-Regeln“ effektiv sind. Auf den Hitzeschutz übertragen heißt das, dass Personen ein Gefühl dafür entwickeln, welche Vorkehrungen angemessen sind, wenn der Wetterbericht bestimmte Wetterumstände vorhersagt, wie „Hut aufziehen“, „Wasser trinken“ oder „drinnen bleiben“.

Hälfte der Sachsen überdurchschnittlich stark von Hitze betroffen

Mehr als 1,5 Millionen Menschen und damit mehr als die Hälfte der Menschen in Sachsen sind überdurchschnittlich stark von gesundheitsschädlicher Hitze betroffen. Das ergab der am 15. September veröffentlichte Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Untersucht wurden 68 sächsische Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnenden. Neben der Hitzebetroffenheit berücksichtigt der Report Faktoren wie Baumüberschirmung und Flächenversiegelung. Danach sind in den vergangenen Jahren in Sachsen fast 130.000 Bäume verschwunden. Mit jedem einzelnen gehe langfristig lebenswichtiger Schutz vor Hitze verloren, schreibt die DUH. Denn neu gepflanzte Bäume brauchten Jahrzehnte, bis ihre schattenspendende und kühlende Funktion voll ausgeschöpft ist. Die DUH fordert darum alle Kommunen auf, Maßnahmen für mehr Grün auf den Weg zu bringen. Dazu gehört die Umsetzung der 3-30-300 Regel: Bürgerinnen und Bürger sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.

Für den Hitze-Check Sachsen hat die DUH basierend auf Daten der Potsdamer Luft Umwelt Planung GmbH aus den Indikatoren Baumüberschirmung, Versiegelungstrend sowie aus dem Hitzebetroffenheitsindex eine Gesamtwertung gebildet. Beim Hitzebetroffenheitsindex werden Städte in 100 mal 100 Meter große Zellen unterteilt. Für jede einzelne Zelle kann die Hitzebetroffenheit bestimmt und somit unter Einbezug der Bevölkerungszahlen ermittelt werden, wie viele Menschen in hochbelasteten Zellen wohnen. Durch die Hochrechnung des Beschirmungsgrades anhand einer durchschnittlichen Baumkronengröße konnte die absolute Zahl an Bäumen berechnet werden, die zwischen 2018 und 2025 verlorengegangen ist.

Die am Zentrum für Präventivmedizin und digitale Gesundheit durchgeführte Studie hat untersucht, ob solche bevölkerungsweiten Regeln in Form von Schwellenwerten für Hitze existieren und das Schutzverhalten bei Hitze mit dem deutlich etablierten Schutzverhalten gegen UV-Strahlen verglichen.

Rund 2.000 Personen wurden dafür in einer bevölkerungsrepräsentativen Untersuchung befragt. Den Teilnehmenden wurde ein Wetterbericht präsentiert, und diese mussten angeben, welche Schutzmaßnahmen sie ergreifen würden, wenn sie eine Nachmittagsaktivität in der Stadt planen.

Indem der Wetterbericht über alle Teilnehmer hinweg variiert wurde, konnte erfasst werden, welche Wetterindikatoren (beispielsweise maximale Temperatur, gefühlte Temperatur oder Sonnenscheindauer) ab welchen Leveln die Intention auslösen, sich schützen zu müssen.

Die Studie zeigt drei wesentliche Befunde:

  • Maximale Lufttemperatur dominiert das geplante Verhalten – nicht die physiologisch relevantere gefühlte Temperatur.

  • Für UV-Schutz sind klare Schwellenwerte definiert, die zu einem Anstieg von UV-Schutzmaßnahmen führen, für Hitzeschutz nicht.

  • Warnsysteme verbessern zwar Schutzintentionen, erzeugen aber keine intuitiven „Wenn-Dann-Regeln“, solange keine Schwellenwerte bekannt sind.

„Die Studie zeigt, dass wir für eine wirksame Prävention klare, leicht verständliche Hitzeschwellen brauchen – analog zum UV-Index. Sie sorgen dafür, dass Menschen intuitiv rechtzeitig handeln“, so das Fazit von Brugger.

Für eine effizientere Risiko-Kommunikation bei Hitze empfehlen die Autoren der Studie, wie beim UV-Index auf ein sogenanntes indiziertes Präventionsverhalten hinzuarbeiten, das die Menschen dazu führt, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, sobald es erste Warnzeichen für große Hitze gibt. Neben leicht verständlichen Hitzeschwellen ist dabei auch die Kommunikation von gefühlten Temperaturen hilfreich.

„Und natürlich müssen wir in Feldstudien überprüfen, ob sich geplante Schutzmaßnahmen auch in tatsächliches Verhalten übersetzen“, fügt Falko Sniehotta hinzu.

Brugger V. at al.. Conditional protective behaviour intentions in response to heat stress and UV radiation: Evidence from a representative behavioural experimentEnvironment International, Volume 215, 2026, 110423, DOI: 10.1016/j.envint.2026.110423

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