Großer Widerstand gegen Kürzungen beim ZE-Zuschuss
Die Mehrheit der Bevölkerung erkennt laut einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag der DAK zwar den Bedarf für eine umfassende Gesundheitsreform, ist aber skeptisch hinsichtlich der Umsetzungschancen.
Dabei geht die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung seit 2020 kontinuierlich zurück. Nachdem zwischen 2012 und 2022 konstant über 80 Prozent der Bürger das deutsche Gesundheitswesen positiv bewertet hatten, sind es aktuell nur 62 Prozent. Das ist der schlechteste Wert seit 15 Jahren.
Vor allem der Osten trifft der Ärztemangel
Aktuell haben nur 33 Prozent der Befragten uneingeschränktes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser. 2022 waren es noch 43 Prozent. Der Anteil der Bevölkerung, der in der eigenen Region einen Ärztemangel erlebt, ist zudem seit 2011 von 13 auf 36 Prozent angestiegen. In Ostdeutschland sind es 57 Prozent.
Auf die Frage nach negativen Erfahrungen im Gesundheitssystem werden lange Wartezeiten für einen Arzttermin mit 72 Prozent am häufigsten genannt. Fast jeder Zweite gibt an, dass er in den letzten Jahren mehrmals sehr lange auf einen Termin warten musste. Das waren 15 Prozentpunkte mehr als noch 2016.
Das Gros befürchtet eine verstärkte Zwei-Klassen-Medizin
Insgesamt 59 Prozent der Deutschen erwarten, dass sich in den kommenden zehn Jahren die Gesundheitsversorgung weiter verschlechtert.
Die große Mehrheit rechnet mit steigenden Kosten und einer verstärkten Zwei-Klassen-Medizin. Zwei Drittel der Bürger sind der Überzeugung, dass das deutsche Gesundheitssystem umfassend reformiert werden muss. Vor zehn Jahren glaubten dies nur 41 Prozent.
„Das deutsche Gesundheitssystem ist krank: Wenn die Zufriedenheit der Menschen den tiefsten Stand seit 15 Jahren erreicht, dann müssen umgehend wirkungsvolle Therapien zur Hilfe eingeleitet werden.“
DAK-Vorstandschef Andreas Storm
Allerdings glauben die meisten nicht, dass es zu umfassenden Gesundheitsreformen kommt. Insgesamt wächst die Kritik an der Gesundheitspolitik der Bundesregierung. Aktuell haben 61 Prozent der Bevölkerung keinen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik – der schlechteste Wert seit 2009.
Eine Zuckerabgabe findet die Mehrheit gut
Auf die diskutierten Reformvorschläge zur Stabilisierung der GKV-Beiträge reagieren die Deutschen jedoch sehr unterschiedlich. Die Mehrheit findet zum Beispiel höhere Steuern auf Tabak und Alkohol sowie die Einführung einer Zuckerabgabe für Erfrischungsgetränke oder Softdrinks gut. Auch höhere Rabatte der Pharmahersteller für Medikamente werden unterstützt.
Kürzungen und höhere Kosten werden abgelehnt
Dagegen werden alle Maßnahmen von der Mehrheit abgelehnt, die für die Bürger höhere Kosten oder niedrigere Leistungen mit sich bringen.
Den größten Widerstand gibt es gegen Kürzungen bei Zuschüssen zum Zahnersatz sowie höhere Kassenbeiträge (jeweils 74 Prozent Ablehnung), Einschränkung bei der Hautkrebsvorsorge (67 Prozent), Kürzung des Krankengeldes (65 Prozent) oder der teilweisen Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehegatten (53 Prozent).
Trotz der aktuellen Diskussion über eine große Gesundheitsreform glauben nur 10 Prozent der Bürger an eine Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die große Mehrheit von 68 Prozent hat zurzeit keine Hoffnung, dass die Stabilisierung der Beiträge gelingt.
Das Solidarprinzip ist gesetzt
Dennoch hält aber überwältigende Mehrheit das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenkassen für ein gutes Model: Nur 9 Prozent äußern sich kritisch.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm fordert von der Regierung, eine faire Lastenverteilung und mutige Strukturreformen, um neues Vertrauen der Menschen zu schaffen.
Für den neuen DAK-Gesundheitsmonitor hat das Institut für Demoskopie Allensbach vom 18. bis 30. April 2026 insgesamt 1.015 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland durch mündlich-persönliche Interviews befragt. Die repräsentative Umfrage untersucht die Zufriedenheit und das Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem und vergleicht die Ergebnisse rückblickend auf die vergangenen 20 Jahre. Auch die Reaktionen der Bevölkerung auf den aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung für eine Gesundheitsreform zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung wurde umfassend untersucht.


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