Macht Mixed-Reality-Vorlesung Zahnmedizinstudierende krank?
Über herkömmliche Vorlesungen mit Folien und Projektoren hinaus konnten die Studierenden eine immersive Lehrveranstaltung zum Thema Kaueffizienz in einer dreidimensionalen virtuellen Umgebung unter Verwendung der neuesten Meta Quest 3/3S-Headsets und der innovativen Tinalp-Plattform erleben.
Müdigkeit und Augenbelastung
Die Implementierung neuer Bildungstechnologien sollte durch wissenschaftliche Evidenz gestützt werden. Darum wurden in einer Studie systematisch die Akzeptanz der Studierenden, die Benutzerfreundlichkeit, das Präsenzempfinden, das Lernerlebnis sowie die allgemeine Eignung des Mixed Reality-Based Learning (MRBL) in der zahnmedizinischen Ausbildung untersucht. An der Studie nahmen 20 Bachelor-Studierende (10 Männer, 10 Frauen; Durchschnittsalter: 27,0 ± 4,3 Jahre) freiwillig teil.
Abgehalten wurde eine 30-minütige Vorlesung auf einer Mixed-Reality-Plattform (MR). Die Einstellungen und die Verträglichkeit der Teilnehmer wurden mithilfe des Simulator Sickness Questionnaire (SSQ), der Multimodal Presence Scale (MPS) und des Intrinsic Motivation Inventory-Task Evaluation Questionnaire (IMI-TEQ) bewertet. Der SSQ wurde vor und nach der Sitzung erhoben, MPS und IMI-TEQ danach.
Die Ergebnisse: Die SSQ-Werte stiegen bei neun Teilnehmenden an. Konkret wurde ein signifikanter Anstieg der Müdigkeit und der Augenbelastung beobachtet. Symptome wie Übelkeit, Schwindel oder Orientierungslosigkeit waren statistisch nicht signifikant. Auch das Geschlecht hatte keinen Einfluss auf die Symptome.
Der Spaß überwog
Die MPS-Auswertung ergab einen hohen Gesamtmittelwert von 89,9 ± 8,2, mit hohen Werten für die physische Präsenz (36,7 ± 4,62) und die Selbstpräsenz (35,8 ± 3,47) sowie einem medianen niedrigen Wert für die soziale Präsenz (17,4 ± 3,97).
Im IMI-TEQ erzielten die Teilnehmer hohe Werte in den Bereichen Interesse und Freude (39,5 ± 6,25) und wahrgenommene Kompetenz (28,0 ± 4,0), während sie in den Bereich enDruck und Anspannung (8,0 ± 4,75) niedrig ausfielen.
Fazit
Die Pilotstudie liefert erste Hinweise, die die Machbarkeit und den potenziellen pädagogischen Wert von Mixed Reality-Based Learning-Ansätzen belegen, schreiben die Studienautoren. Für die Bewertung und eine optimale Umsetzung empfehlen sie aber weitere Untersuchungen mit großen Stichproben sowie eine objektive Messung der Lernergebnisse.
„Immersive Technologien können einen neuartigen Ansatz zur Verbesserung der Interaktivität und des erfahrungsbasierten Lernens bieten. Trotz leichter vorübergehender Symptome bei einer Minderheit der Teilnehmer zeigten die Studierenden eine positive Akzeptanz und ein positives Engagement, was darauf hindeutet, dass MR-basierter Unterricht herkömmliche Bildungsstrategien ergänzen und die Modernisierung des klassenzimmerbasierten Unterrichts unterstützen könnte.“
Die Initiative sei „ein wichtiger Meilenstein für die Integration immersiver digitaler Technologien in die zahnmedizinische Lehre", teilte die Universität mit.
Marton, S. et. al: „Evaluation of student attitudes in adopting mixed reality-based learning (MRBL) approach in dental curriculum: a pilot study”, Journal of Dentistry, Volume 175, 2026, 106885, ISSN 0300-5712, https://doi.org/10.1016/j.jdent.2026.106885



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