Mehrheit der US-Amerikaner lehnt Stopp der Trinkwasser-Fluoridierung ab
Das Gros der US-Amerikaner ist für die Trinkwasser-Fluoridierung, nur MAHA-Fans sind mehrheitlich dagegen. Und: Die American Dental Association genießt in der Frage mehr Vertrauen als der Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr.
Eine neue repräsentative Umfrage des Annenberg Public Policy Center (APPC) der University of Pennsylvania zeigt, dass die Amerikaner in der Frage der Trinwasser-Fluoridierung stark gespalten sind.
Befragt wurden vom 14. bis 28. April 2026 insgesamt 1.639 US-amerikanische Erwachsene. Von ihnen bezeichneten sich 26 Prozent als Unterstützer der MAHA-Bewegung (Make America Healthy Again), dem politischen Slogan und der Gesundheitsinitiative von RFK Jr., die erstmals mit seiner Präsidentschaftskampagne 2024 in Verbindung gebracht wurde.
Das sind die Ergebnisse:
Alles in allem 43 Prozent der US-Bürger befürworten die Verwendung von Fluorid im öffentlichen Trinkwasser, 26 Prozent sind dagegen und 30 Prozent sind unentschieden. Dabei lehnen 41 Prozent der MAHA-Fans die Trinkwasser-Fluoridierung in ihrer Gemeinde eher ab, 26 Prozent sind dafür.
Außerdem meinen 42 Prozent der Amerikaner, dass die Trinkwasser-Fluoridierung insgesamt positive Effekte auf die öffentliche Gesundheit hat, 17 Prozent glauben, dass sie keine Folgen hat. 35 Prozent ist sich jedoch unsicher, was auf mangelnde Kenntnisse über die Verwendung von Fluorid im Trinkwasser hindeuten könnte.
MAHA-Befürworter vertreten viermal häufiger als MAHA-Gegner die Meinung, dass die Trinkwasser-Fluoridierung negative Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat (30 Prozent gegenüber 7 Prozent). Umgekehrt geben MAHA-Gegner doppelt so häufig wie MAHA-Befürworter an, dass die Trinkwasser-Fluoridierung positive Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat (61 Prozent gegenüber 30 Prozent).
in Bezug auf verlässliche Informationen zu den gesundheitlichen Folgen von Fluorid im Trinkwasser vertrauen die Amerikaner der American Dental Association (ADA) deutlich mehr als Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. (74 Prozent gegenüber 34 Prozent).
„Die Amerikaner sind in der Frage der Trinkwasserfluoridierung gespalten, doch auffallend ist, dass die Anhänger der „Make America Healthy Again“-Bewegung deutlich skeptischer sind“, sagte Patrick E. Jamieson , Direktor des Annenberg Health and Risk Communication Institute der APPC.
„Dennoch genießt die American Dental Association breites Vertrauen. Und sie berichtet, dass 80 Jahre Forschung belegen, dass die Fluoridierung des Trinkwassers sicher und die mit Abstand wirksamste Maßnahme im Bereich der öffentlichen Gesundheit zur Vorbeugung von Karies ist.“
Sind die MAHA-Fans einfach unsicher?
„Obwohl die MAHA-Anhänger die Fluoridierung des Trinkwassers weniger befürworten als andere Gruppen, geben sie überraschenderweise gleichermaßen an, dass Fluorid einen positiven wie einen negativenEffekt auf die öffentliche Gesundheit hat – in beiden Fällen 30 Prozent – was ihre Unsicherheit über die Auswirkungen widerspiegelt“, sagte Laura A. Gibson, Analystin bei APPC.
Eine Mehrheit der Befragten lehnt Maßnahmen zum Stopp der Trinkwasser-Fluoridierung ab (40 Prozent gegenüber 28 Prozent). Ein Drittel (32 Prozent) ist unentschlossen. MAHA-Unterstützer sprechen sich mehr als dreimal so häufig für die Beendigung aus wie deren Gegner (50 Prozent gegenüber 15 Prozent).
RFK Jr. liefert keine verlässlichen Infos
Insgesamt hat die amerikanische Öffentlichkeit viel mehr Vertrauen in die American Dental Association (ADA), wenn es darum geht, der Öffentlichkeit verlässliche Informationen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Fluorid im Trinkwasser zu liefern, als in den Gesundheitsminister RFK Jr.
Laut der Umfrage sind zwei Drittel der US-Bürger (65 Prozent) nicht davon überzeugt, dass Kennedy verlässliche Informationen zum Thema Trinkwasser-Fluoridierung liefert. 42 Prozent gaben an, „überhaupt kein Vertrauen“ zu haben, und 23 Prozent äußerten sich „eher skeptisch“. Nur ein Drittel der US-Erwachsenen (34 Prozent) vertraut Kennedy, wobei 8 Prozent „sehr großes Vertrauen“ und 27 Prozent „eher großes Vertrauen“ haben.
Im Unterschied dazu geben drei Viertel der Befragten (74 Prozent) an, den Informationen der ADA zu vertrauen, wobei 28 Prozent sehr und 45 Prozent eher positiv sind. Ein Viertel (26 Prozent) hat kein Vertrauen in die ADA, davon 9 Prozent überhaupt nicht und 17 Prozent eher zurückhaltend. – Von den MAHA-Gegnern haben 83 Prozent Vertrauen in die ADA.
Unter den MAHA-Fans ist das Vertrauen in Kennedy deutlich höher: Drei von vier (74 Prozent) vertrauen ihm sehr (23 Prozent) oder eher (51 Prozent) als verlässlicher Informationsquelle über die gesundheitlichen Auswirkungen von Fluorid, während nur 9 Prozent der Nicht-MAHA-Unterstützer angeben, Vertrauen in ihn zu haben.
Die breite Öffentlichkeit setzt auf die ADA
Zwar sprechen sich auch die meisten MAHA-Unterstützer (68 Prozent) für die ADA aus, doch mehr von ihnen vertrauen Kennedy (74 Prozent).
Die Fluoriddebatte in den USA
Die meisten größeren Städte in den USA fluoridieren ihr Trinkwasser. Mehrere – von Experten als methodisch sehr unsauber kritisierte – Studien kamen indes zu dem Schluss, dass die Gesamtfluoridaufnahme bei manchen Schwangeren und Kindern die zulässigen Grenzwerte überschreiten könnte.
Seit Jahrzehnten wirbt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC für die Fluoridierung des Trinkwassers als sichere und kostengünstige Methode zur Kariesprävention und bezeichnet sie als einen der Hauptgründe für den Rückgang der Kariesraten im 20. Jahrhundert: Durch die Trinkwasser-Fluoridierung würden die USA jährlich Milliarden an Kosten für Zahnbehandlungen einsparen.
Am 6. April 2025 kündigte die US-Umweltschutzbehörde (EPA) jedoch an, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Fluorid im Trinkwasser zu prüfen. Am selben Tag erklärte der US-Gesundheitsminister RFK Jr., er wolle die CDC anweisen, die Fluoridierung von Trinkwasser landesweit nicht mehr zu empfehlen, und er werde eine Arbeitsgruppe von Gesundheitsexperten einsetzen, um das Thema zu untersuchen und neue Empfehlungen auszuarbeiten. Die Nachrichtenagentur Associated Press merkte in einem Bericht an, Kennedy könne zwar nicht anordnen, die Fluoridierung einzustellen, aber er könne die CDC anweisen, die Empfehlung nicht mehr auszusprechen und mit der EPA zusammenarbeiten, um die zulässige Fluoridmenge zu ändern.
„Wenn es um Fluorid geht, vertrauen die Amerikaner der American Dental Association deutlich mehr als Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr.“, sagte Ken Winneg, Leiter der Umfrageforschung bei APPC.
„Diese Gesamtzahlen verschleiern jedoch die Erkenntnis, dass viele Anhänger der MAHA beiden Quellen vertrauen. Dies spiegelt wider, wie unterschiedlich Amerikaner Gesundheitsinformationen je nach ihren allgemeinen Ansichten bewerten.“



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