Zehn Millionen Euro zur Erforschung der Frauengesundheit
Frauen werden in der Gesundheitsforschung bisher seltener berücksichtigt als Männer. In der Folge basieren bekanntlich immer noch viele diagnostische und therapeutische Verfahren primär auf männlichen Referenzwerten und Krankheitsverläufen. Symptome können bei Frauen dadurch übersehen oder fehlinterpretiert werden, eine Fehlversorgung droht.
Autoimmunkrankheiten treten bei Frauen viel häufiger auf als bei Männern
Neben den besonderen Anforderungen durch Menstruation, Schwangerschaft und Geburt sowie die Wechseljahre sind Frauen von spezifischen Krankheiten betroffen, wie Endometriose oder dem Polyzystischen Ovarialsyndrom. Auch treten Angststörungen, Autoimmunkrankheiten, Depressionen, Migräne und chronische Schmerzkrankheiten bei Frauen viel häufiger auf als bei Männern und/oder zeigen andere Verläufe.
Für eine nachhaltige Verankerung der Versorgungsforschung zu Frauengesundheit in Deutschland sei daher ein Kapazitäts- und Strukturaufbau in der Forschung unerlässlich, teilt das BMG zum Startschuss der Forschungsförderung mit.
Mit der ersten Förderrichtlinie werden Projekte gefördert, die sich mit der patientienzentrierten Versorgung von Frauen befassen. Ziel ist, wissenschaftliche Evidenz zu gewinnen, um die Versorgung von Frauen in Deutschland zu verbessern.
Mit der zweiten Förderrichtlinie sollen gezielt Nachwuchsgruppen an (Fach-) Hochschulen sowie außeruniversitären Einrichtungen im Themenfeld Frauengesundheit aufgebaut und das Entstehen institutioneller Kapazitäten in der Versorgungsforschung angestoßen werden.
Beide Förderrichtlinien haben ein Volumen von je bis zu fünf Millionen Euro. Die Projekte sollen spätestens zum 1. Januar 2027 starten und können jeweils bis zu drei Jahre sowie für die Nachwuchsgruppen bis zu fünf Jahre dauern. Die Richtlinien umfassen folgende thematische Schwerpunkte, an denen ein besonderes Förderinteresse besteht:
Versorgung von Frauen mit frauenspezifischen Erkrankungen,
Versorgung von Frauen mit Erkrankungen mit frauenspezifischen Ausprägungen, beispielsweise hinsichtlich Prävalenz, Inzidenz, Symptomatik, Krankheitslast, Verläufen, Therapieansätzen oder Therapieansprechen,
Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf die Gesundheitsversorgung von Frauen in Deutschland; Ungleichheiten im Zugang zum Gesundheitssystem, der Versorgungsqualität oder der
Inanspruchnahme von Leistungen,
Versorgung von Frauen mit Endometriose mit dem Fokus auf versorgungspraktische und psychosoziale Aspekte, Gesundheitskompetenz, Kommunikation zwischen behandelnder und behandelter Person und Information/Aufklärung,
Versorgung von Frauen in den Wechseljahren, einschließlich Prä-, Peri- und Postmeno-pause,
Versorgung rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett,
Versorgung von Frauen, die von Gewalt betroffen sind.
Eigene Themenvorschläge sind ausdrücklich erwünscht.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verspricht sich von den Forschungsergebnissen konkrete Verbesserungen für betroffene Frauen: „Das Thema Frauengesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis und mehr Wissen. Frauen haben andere Beschwerden, Symptome und Belastungen als Männer. Genau diese Unterschiede sollen sich in der Gesundheitsversorgung besser abbilden.“










