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Analyse zum geplanten Primärarztsystem

Zi rät von Quoten für die hausärztliche Versorgung ab

In einem Leitantrag fordert die CSU, die hausärztliche Versorgung so zu stärken, dass künftig rund 80 Prozent der Fälle beim Hausarzt fallabschließend behandelt werden können. Das Zi rät davon ab und begründet dies mit aktuellen Daten. StockPhotoPro - stock.adobe.com
ao
Politik
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Mehr als zwei Drittel der hausärztlich versorgten Patienten werden im Jahresverlauf auch fachärztlich behandelt. Das ergab eine aktuelle Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Die Bundesregierung will laut ihrem Koalitionsvertrag ein Primärarztsystem einführen, um Patientinnen und Patienten besser zu steuern. Dabei muss aus Sicht des Zi das Ziel sein, dass jene zum richtigen Zeitpunkt die medizinisch notwendige Versorgung erhalten. „Von diesem Ziel könnten politisch vorgegebene Quoten für den Anteil der Patientinnen und Patienten, die ausschließlich hausärztlich behandelt werden sollen, ablenken“, teilt das Zi mit.

Hintergrund ist eine Forderung der CSU

Hintergrund ist eine Forderung der CSU in ihrem Leitantrag „Näher am Menschen – Für ein bürgernahes und bodenständiges Bayern“. Demnach soll die hausärztliche Versorgung so gestärkt werden, „dass künftig rund 80 Prozent der Fälle beim Hausarzt fallabschließend behandelt werden können, ohne dass Patienten unnötig durch das System geschickt werden“.

Laut Zi würde eine solche Zielvorgabe durch die Politik erheblich in die haus- und fachärztliche Versorgung eingreifen. Das Institut begründet dies mit aktuellen Datenauswertungen. Demnach nehmen derzeit viele gesetzlich Versicherte mehr als eine Hausarztpraxis pro Jahr in Anspruch. So waren rund 30 Prozent der Versicherten bei zwei Hausarztpraxen und rund 10 Prozent bei drei und mehr Hausarztpraxen, wobei für die letzte Gruppe überproportional viele Hausarztkontakte anfallen.

Für die gesetzlich Versicherten, die in einem Jahr nur eine Hausarztpraxis in Anspruch genommen haben, finden sich in den Abrechnungsdaten für rund 21 Prozent pro Quartal hausärztliche Überweisungen in die fachärztliche Versorgung im gleichen oder im folgenden Quartal. Tatsächlich wurden aber 57 Prozent dieser Patientinnen und Patienten fachärztlich mitbehandelt. Unklar bleibt demnach, für wie viele Patienten eine hausärztliche Überweisung in den Abrechnungsdaten nicht dokumentiert wurde.

68 Prozent der Patienten gingen auch zu Fachärzten

Über die Dauer eines gesamten Jahres zeigt sich laut Zi eine noch stärkere Bedeutung der fachärztlichen Versorgung. Für 36 Prozent der Versicherten, die regelhaft von einer Hausarztpraxis behandelt wurden, fand sich mindestens eine Überweisung in die fachärztliche Versorgung. Insgesamt nahmen 68 Prozent innerhalb eines Jahres auch fachärztliche Leistungen in Anspruch. 

„Die Daten verdeutlichen, dass die fachärztliche Mitbehandlung für einen großen Teil der kontinuierlich hausärztlich versorgten Bevölkerung zum regulären Versorgungsgeschehen gehört. Das gilt insbesondere dann, wenn man darauf schaut, welche Patientenanteile bei längerer Bindung an eine Hausarztpraxis fachärztlicher Mitbehandlung bedürfen“, erklärte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. 

Zudem regt das Zi an, auch die Behandlungsqualität nicht außer Acht zu lassen. Entscheidend sei nicht, möglichst viele Patientinnen und Patienten ausschließlich in der hausärztlichen Versorgung zu halten, sondern die vorhandenen Behandlungskapazitäten nach dem medizinischen Bedarf bestmöglich einzusetzen.

Die Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten ist entscheidend

„Haus- und Fachärzte leisten beide unverzichtbare Beiträge zur medizinischen Versorgung. Besonders gut funktioniert das, wenn sie eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten“, sagte von Stillfried. Aus Sicht des Zi sollte die Weiterentwicklung der primärärztlichen Versorgung daher vor allem darauf ausgerichtet sein, die Zusammenarbeit zwischen den Versorgungsebenen zu verbessern, medizinisch notwendige Behandlungen zeitnah zu ermöglichen und unnötige Versorgungsschritte zu vermeiden.

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