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Neue Studie im Auftrag der TK

Hausarztverträge steuern nicht besser, sind aber teuerer

LL
Gesellschaft
Patienten werden im Rahmen eines Hausarztprogramms nicht unbedingt besser durch das Gesundheitssystem geführt. Zudem Ergebnis kommt die laut TK größte Evaluation zur Hausarztzentrierten Versorgung (HzV).

In der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) werden die Patienten weder besser noch preiswerter durch das Gesundheitssystem gesteuert als in der regulären vertragsärztlichen Versorgung. Das ist jedenfalls das Resultat einer neuen wissenschaftlichen Evaluation der in dieser Form in 13 Bundesländern geltenden Verträge der TK mit den regionalen Hausarztverbänden

Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte ging nicht zurück

Die Auswirkungen der HzV hat der Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics (HCHE), anhand der TK-Verträge analysiert. So führe die HzV "weder zu der angestrebten Vermeidung von unnötigen Facharztkontakten noch zu weniger Krankenhausaufenthalten“, heißt es in seinem 170-seitigen Bericht. Die Mehrkosten für die TK beziffert Schreyögg auf mehr als 160 Millionen Euro pro Jahr.

Neben der normalen Regelversorgung können Versicherte sich für spezielle Hausarztverträge entscheiden. Die Verträge verpflichten die Patienten aber dazu, immer zuerst einen bestimmten Hausarzt aufzusuchen. Sowohl die Hausarztverträge der Krankenkassen als auch das von der Bundesregierung geplante Primärversorgungssystem zielen auf eine effizientere Steuerung der Patienten ab. Daher wird die HzV teilweise auch als Vorbild für das Primärversorgungssystem diskutiert.

„Die HzV soll durch eine verbesserte Patientensteuerung die Versorgungsqualität der Teilnehmenden verbessern und dadurch Kosten einsparen. Die Studie zeigt, dass die HzV nur eine bedingte Steuerungswirkung aufweist", berichtet Schreyögg. So führe sie zu mehr Facharztkontakten und auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte sei durch die HzV-Teilnahme nicht zurückgegangen.

„Im Ergebnis führt sie zu Mehrausgaben im Vergleich zur Regelversorgung.“ Grundsätzlich zeige sich: "Mehr Verbindlichkeit in der Steuerung führt zu besserer Versorgung. Entsprechend lassen sich für den Aufbau des geplanten Primärversorgungssystems aus der Evaluation wichtige Erkenntnisse ziehen, zum Beispiel muss auf eine stärkere Verbindlichkeit geachtet werden“, erklärt Schreyögg.

Für die Studie wurde die Versorgungssituation von TK-Versicherten, die an der HzV teilnehmen, mit TK-Versicherten, die nicht daran teilnehmen, verglichen. Beide Gruppen waren so zusammengesetzt, dass sie identische demografische und gesundheitliche Merkmale aufweisen und somit vergleichbar sind.

1,2 Facharztkontakte pro Teilnehmer und Jahr mehr

Der Bericht zeigt demnach auch, dass die Zahl der Praxisbesuche in der HzV-Gruppe sogar um 1,2 Facharztkontakte pro Teilnehmer und Jahr höher liegt. Allein bei der TK führe die HzV zu 1,5 Millionen zusätzlichen Facharztbesuchen jedes Jahr. Die Zahl der Hausarztkontakte bleibe demzufolge nahezu unverändert.

Die enge Betreuung durch den HzV-Hausarzt führe auch nicht dazu, dass Krankenhausaufenthalte vermieden werden. So zeigt die Datenauswertung der TK-Versicherten, dass die Wahrscheinlichkeit, ins Krankenhaus aufgenommen zu werden, mit der HzV-Teilnahme nahezu unverändert bleibt.

Darüber hinaus hat die Evaluation die Qualität der Arzneimittelverordnungen untersucht. Dabei war keine wesentliche Verbesserung zur Regelversorgung festzustellen. Bei den HzV-Teilnehmenden der TK war die Zahl der Krankengeldtage fünf Millionen Tage im Jahr höher als bei der Vergleichsgruppe in der Regelversorgung: Die Teilnehmenden bezogen im Jahresdurchschnitt vier Tage länger Krankengeld als vergleichbare Versicherte ohne HzV.

160 Millionen Euro Mehrkosten jährlich nur für die TK

Die Studie zeigt außerdem, dass die HzV zu Mehrkosten in allen Leistungsbereichen in Höhe von 122 Euro pro Teilnehmenden und Jahr führt: Insgesamt addieren sich die Mehrkosten auf 160 Millionen Euro im Vergleich zu Nicht-HzV-Versicherten. Einen Mehrwert in Form einer besseren Versorgungssteuerung konnte die Studie nicht nachweisen. Bezogen auf die aktuell rund elf Millionen HzV-Teilnehmenden in Deutschland ergeben sich daraus hochgerechnet Mehrkosten von etwa 1,3 Milliarden Euro im Jahr.

Die TK fordert ein einheitliches Primärversorgungssystem mit einer verbindlichen digitalen Ersteinschätzung als erste Anlaufstelle für Hilfesuchende, die sie auf Basis ihrer Symptome direkt in die passende Versorgung leitet: je nach Bedarf wäre das ein zeitnaher Haus- oder Facharzttermin, eine Videosprechstunde oder auch erstmal Bettruhe.

Eine Studie der AOK Baden-Württemberg zum Primärarztsystem war dagegen zu dem Schluss gekommen dass die Zahl unkoordinierter Facharztkontakte 50 Prozent niedriger ist als in der Regelversorgung.

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