Der elektronische Medikationsplan kommt
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist um neue Funktionen erweitert worden:Ab Mitte Juli wird der elektronische Medikationsplan (eMP) als Teil des digital gestützten Medikationsprozesses (dgMP) in der ePA schrittweise ausgerollt, teilt die gematik mit. Dieser soll den Nutzwert der Patientenakte für die Versicherten entscheidend erhöhen.
Während der Pilotphase des dgMP können bereits erste Einrichtungen, die zum Netzwerk in den Modellregionen gehören und auch Einrichtungen, die in Kontakt mit ihrem Hersteller stehen und den dgMP erproben möchten, die neuen Funktionen kennenlernen und sich mit dem Ablauf des vertraut machen.
Im Mittelpunkt steht der eMP, der perspektivisch den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) ablösen soll. Neben der Verfügbarkeit des eMP gehen mit der jetzigen Ausbaustufe der ePA auch weitere Funktionen einher, zum Beispiel die Möglichkeit für Einrichtungen, Nachträge für OTC-Medikamente und Betäubungsmittel in der elektronischen Medikationsliste (eML) vorzunehmen, erklärt die gematik.
Der eMP soll eine wichtige Rolle im Medikationsmanagement übernehmen. Im Vergleich zur eML, die bereits seit Start der ePA verfügbar ist, bietet dieser nicht nur eine Übersicht über das Verordnungs- und Abgabegeschehen, sondern eine darüberhinausgehende Darstellung der aktuellen und institutionsübergreifenden Gesamtmedikation eines Versicherten mit weiterführenden Hinweisen, die die versicherte Person darin unterstützen, die Therapie sicher und erfolgreich umzusetzen.
Anspruch auf das Anlegen eines elektronischen Medikationsplans oder eines entsprechenden Dokuments auf Papier haben alle Patientinnen und Patienten, die mindestens drei ärztlich verordnete Medikamente einnehmen.
Möglichkeit für Push-Benachrichtigungen in den ePA-Apps
Ebenfalls ab jetzt erhalten die ePA-Apps der Krankenkassen nach und nach ein Update, mit dem neue Funktionen der ePA erlebbar werden: Versicherte können dann in ihrer App einstellen, ob sie Push-Benachrichtigungen über Aktivitäten in Verbindung mit ihrer ePA erhalten möchten. So können Versicherte unmittelbar erfahren, wenn sich etwas in ihrer Patientenakte tut, ohne die ePA-App selbst öffnen zu müssen.
Aktuelle Umfrage zur ePA: Medikationsplan als positive Erweiterung
Die neue Möglichkeit, bisher schriftlich geführte Medikationspläne mit Hinweisen zur Dosierung und Einnahme der Medikamente künftig in der ePA zu speichern, wird in einer aktuellen, repräsentativen Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes größtenteils positiv gesehen: 90 Prozent der Befragten finden diese neue Option sehr gut oder eher gut.
Besonderen Zuspruch finden in der Befragung der bessere Überblick für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte über die Medikation und ihr Einblick in verordnete Medikamente und Dosierungen (90 Prozent beziehungsweise 89 Prozent Zustimmung). Etwas weniger Zustimmung gibt es mit 80 Prozent dagegen für den möglichen Einblick von Apothekerinnen und Apothekern in die eigenen Medikamente und deren Dosierung. Vergleichsweise gute Bewertungen erhalten die Unterstützung bei der Vermeidung von gefährlichen Wechselwirkungen zwischen Medikamenten (88 Prozent) sowie der gute Überblick über die eigenen Medikamente durch den elektronischen Medikationsplan in der ePA (86 Prozent).
Thema ePA in der Arztpraxis weiterhin kaum angesprochen
Der Informationsstand beim Thema elektronische Patientenakte hat sich seit der letzten Befragung im August und September 2025 kaum verändert, zeigt die Umfrage auch. Während sich 2025 noch 45 Prozent der Befragten sehr gut oder eher gut über die ePA informiert fühlten, hat sich dieser Anteil in der aktuellen Befragung mit 47 Prozent nur leicht verbessert. Im Gegenzug sank der Anteil derer, die sich weniger gut oder gar nicht gut informiert fühlen, von 54 auf 51 Prozent.
Außerdem zeigt die aktuelle Befragung, dass die ePA trotz der seit 1. Oktober 2025 geltenden Verpflichtung zur Befüllung durch die Ärzte weiterhin kaum ein Thema beim Arztbesuch ist: 81 Prozent der Patienten mit einem Arztbesuch im laufenden Jahr gaben an, dass die ePA in der Arztpraxis bisher kein Thema gewesen sei. Damit ist dieser Anteil seit der letzten Befragung nur um drei Prozent gesunken.
Auf der anderen Seite stieg der Anteil derer, die vom Arzt, der Ärztin oder Praxisangestellten auf das Thema angesprochen wurde, von neun auf zwölf Prozent. Sieben Prozent haben das Thema selbst angesprochen, das ist nur ein Prozent mehr als in der Vorgänger-Befragung aus dem Sommer 2025.
Für die repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes sind vom 13. bis zum 27. April 2026 insgesamt 8.522 gesetzlich Krankenversicherte ab 18 Jahren befragt worden. Es handelte sich um eine Kombination aus einer telefonischen Befragung und einer Online-Erhebung im Rahmen von forsa.omninet. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei 1,8 Prozentpunkten nach oben oder unten.
In der App legen sie fest, worüber sie informiert werden möchten, etwa, wenn nach dem Krankenhaus-Aufenthalt der Entlassbrief hochgeladen wird oder wenn die neue Facharzt-Praxis auf die eigene Akte zugreift, so die gematik zum Funktions-Update. Ziel sei es, noch mehr Transparenz, Überblick und Souveränität über die eigenen Gesundheitsdaten in der Patientenakte zu schaffen.
Bis alle Software-Systeme der niedergelassenen Ärzte den elektronischen Medikationsplan unterstützen, wird es noch bis zum Herbst dauern.







