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BARMER-Chef gegen pauschale Strukturfördermaßnahmen

„Studie belegt gute Erreichbarkeit von Apotheken!“

LL
Gesellschaft
Das bifg-Barmer-Institut für Gesundheitssystemforschung kommt in einer Studie zu dem Ergebnis: Für 78 Prozent der Menschen liegt die Wegstrecke zur nächsten Apotheke bei unter zwei Kilometern.

Wie die Analyse des bifg ergab, liegt die nächstgelegene Apotheke für 60 Prozent der Bevölkerung in einer Entfernung von unter einem Kilometer, 78 Prozent brauchen weniger als zwei Kilometer, 96 Prozent weniger als sechs Kilometer.
Die Auswertungen zeigen demnach auch, dass die Schließung von zusätzlichen Standorten für den größten Teil der Bevölkerung keine längeren Wege zur Apotheke bedeuten würde, da eine andere Apotheke erreichbar wäre.

"Pauschale politische Fördermaßnahmen sind definitiv nicht zu rechtfertigen!“

„Unsere Studie belegt eindrücklich, wie gut die Erreichbarkeit von Apotheken ist. Pauschale politische Fördermaßnahmen für Apotheken auf Kosten der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler sind definitiv nicht zu rechtfertigen“, sagt Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER, anlässlich der Diskussion über den Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG).

Die Geodaten-basierte Studie belege damit deutlich, dass die jeweilige lokale Situation für die Arzneimittelversorgung der Menschen bei den politischen Überlegungen für das geplante Apothekengesetz berücksichtigt werden müsse, so das bifg. „Deshalb sollte von pauschalen Strukturfördermaßnahmen abgesehen werden, vor allem wenn diese erneut mit höheren Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung und damit für die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler verbunden sind."

In Berlin ist die Dichte am höchsten, in Mecklenburg-Vorpommern am niedrigsten

Es gebe zudem Unterschiede zwischen Städten und dem ländlichen Raum: So erreichen in den ländlichen Gemeinden der Analyse zufolge 89 Prozent der Bevölkerung einen Apothekenstandort innerhalb von sechs Kilometern Wegstrecke. In Gemeinden mit Verstädterung oder in Städten liege der Bevölkerungsanteil bei 98 beziehungsweise 99,8 Prozent. In ländlichen Regionen hätten somit elf Prozent der Menschen einen Weg von über sechs Kilometern zur nächstgelegenen Apotheke, in städtischen Regionen sinke dieser Anteil auf unter ein Prozent.

In einem Radius von sechs Kilometern gibt es laut Studie in Berlin im Durchschnitt 103,6 Apotheken. Hier sei die Dichte an Apotheken bundesweit am höchsten. Am niedrigsten sei sie in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Menschen in einem Radius von sechs Kilometern im Durchschnitt 7,6 Apotheken finden. In Berlin finden ab 65-Jährige demzufolge im Umkreis von sechs Kilometern im Durchschnitt etwa 93 Apotheken, im Nachbarland Brandenburg knapp acht.

Die Anzahl der Apothekenstandorte ging in den letzten Jahren zurück. Allerdings wurden im Zeitraum zwischen 2017 bis 2024 in städtischen Regionen weit mehr Apotheken geschlossen als in ländlichen Regionen.

Sind Schließungen von Standorten so dramatisch?

Laut bifg würde die Schließung von zusätzlichen Standorten für den größten Teil der Bevölkerung keine weiteren Wege zur Apotheke bedeuten. In 73,4 Prozent der Fälle würde auch bei der Schließung einer Apotheke die Sechs-Kilometer-Entfernung eingehalten, da eine andere Apotheke erreichbar wäre. Bei der Schließung anderer Apotheken wären nur sehr wenige Einwohner von einer größeren Wegstrecke betroffen. Die Diskussion um längere Wegstrecken sei daher weitaus weniger begründet als angenommen.

Das bifg-Barmer-Institut für Gesundheitssystemforschung hat anhand der Abrechnungsdaten der BARMER die Standorte der Apotheken abgeleitet und für seine Analyse die Einwohnerzahlen gemäß Zensus sowie das deutsche Fußwegenetz von OpenStreetMap einbezogen. Für jede bewohnte Rasterzelle wurde der kürzeste Weg zu einer Apotheke ermittelt.

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