Viele Notaufnahmen bezeichnen sich als gefährlich überlastet
Mit den Rückmeldungen aus allen Bundesländern sei erneut ein breites Lagebild aus Notaufnahmen aller drei Notfallversorgungsstufen entstanden, schreibt der Verband. Darin zeige sich eine anhaltend hohe Belastung der Notfallversorgung und eine allgemeine Verschlechterung der Situation in den zurückliegenden zwölf Monaten.
Die DGINA nutzt eine international geltende „Überlastungsampel“, um die Belastungen in den zentralen Notaufnahmen (ZNA) messbar zu machen. Die Einteilung reicht von Level 1 bis 3 = „wenig beschäftigt“, „Normalbetrieb“ und „erhöhte Auslastung“, über Level 4 = „überbelegt“ bis zu Level 5 = „schwerwiegende Überlastung“ und Level 6 = „gefährlich überfüllt“.
knapp die Hälfte der ZNA für den betrachteten 24-Stunden-Zeitraum von einer Überfüllung, einem sogenannten Overcrowding der Level 4 bis 6 – rund 13 Prozent sogar von einem schwerwiegendem oder gefährlichem Overcrowding der Level 5 bis 6.
Problem ist häufig eine verzögerte Abverlegung der Patienten
Von einem „Exit Block“, dem „Abflusstau“, berichten 60,6 Prozent. Dieser stellt laut DGINA einen der Haupttreiber für die Überfüllung von Notaufnahmen dar. Patienten sind dabei in der ZNA untersucht und behandelt worden und sollen nach ärztlicher Anordnung stationär aufgenommen werden. Sie können jedoch nicht auf die Normal- oder Intensivstation verlegt werden, da dort keine freien Betten oder kein Personal verfügbar sind. Laut der Hälfte der befragten ZNA hat die Belastung durch dieses Phänomen in den vergangenen zwölf Monaten zugenommen.
Aus der Umfrage geht auch hervor, dass 32,1 Prozent der ZNA ihrer Leitstelle eine Kapazitätserschöpfung meldeten. Unter den Häusern mit entsprechender Meldung wurden 79,1 Prozent dennoch weiter mit Notfallpatienten belegt.
Unbesetzte Stellen und Krankheitsausfälle belasten zusätzlich
Von unbesetzten Stellen im ärztlichen Dienst und/oder in der Pflege berichten 63,1 Prozent, akute Krankheitsausfälle nennen 65,7 Prozent. Lediglich 31,8 Prozent halten die pflegerische und ärztliche Personalausstattung für ausreichend.
Die Ergebnisse machen laut DGINA deutlich, dass Überlastung nicht nur als internes Prozessproblem der ZNA verstanden werden kann, „sondern eng mit personellen Ressourcen, stationären Anschlusskapazitäten und regionaler Steuerung verknüpft ist“. Gegenüber dem Magazin „Der Spiegel“ äußerte sich der DGINA-Präsident Martin Pin besorgt: „Die Ergebnisse der Blitzumfrage erschrecken uns sehr. Denn wir wissen aus großen internationalen Studien, dass in solchen Belastungssituationen die Patientensicherheit gefährdet ist.“
Insgesamt beteiligten sich 271 Einrichtungen an der Umfrage. Die Stichprobe umfasste nach dem gestuften System der Notfallstrukturen
- 82 sogenannte „Basisnotfallversorger“ (Mindestens eine Fachabteilung für Innere Medizin und eine für Chirurgie oder Unfallchirurgie sowie eine Basis-Intensivstation meist mit sechs Betten),
- 105 „erweiterte Notfallversorger“ (zusätzliche spezialisierte Fachrichtungen sowie eine besser ausgebaute Intensivstation und spezifische diagnostische und personelle Kapazitäten) und
- 84 „umfassende Notfallversorger“ (Vorhaltung einer sehr großen Bandbreite an hochspezialisierten Fachabteilungen und eine umfassende intensivmedizinische Versorgung).








