Viele Mitarbeiter leiden unter „KI-Müdigkeit“
„Der Einsatz von KI am Arbeitsplatz ist förmlich explodiert“, schreibt das Beratungsunternehmen Adaptavist. Trotzdem berichteten viele Beschäftigte von einer anhaltenden Verbundenheit mit früheren Arbeitsweisen: Fast zwei Drittel (72 Prozent) der Teilnehmenden einer Befragung geben an, regelmäßig nostalgisch auf die Zeit vor der breiten KI-Einführung zurückzublicken. Besonders auffallend: Mitarbeitende der Generation Z sagen mit 56 Prozent am häufigsten, die Arbeitswelt vor der KI sei besser gewesen – deutlich mehr als die Generation X mit 35 Prozent. „Das widerspricht der gängigen Annahme, Digital Natives seien KI-gestützten Arbeitsweisen grundsätzlich aufgeschlossener gegenüber“, kommentiert Adaptavist. Im Kern dieser Nostalgie stehe das Gefühl eines „kreativen und ethischen Defizits“. Die Beschäftigten lehnten nicht die Technologie selbst ab, sondern reagierten auf den Eindruck, dass im Zuge der KI-Nutzung etwas Menschliches und Bedeutsames verloren gehe.
Für die Studie wurden im März 2026 insgesamt 2.500 Wissensarbeiter aus Großbritannien, den USA, Kanada, Spanien und Deutschland (500) befragt. Die Firma Attest führte die Befragung im Auftrag des britischen Technologie- und Softwareunternehmens Adaptavist durch. Das Unternehmen wurde 2005 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben heute mehr als 1.000 Mitarbeitende in 20 Ländern.
Die Studie zeigt außerdem:
42 Prozent ärgern sich, dass Aufgaben, für die früher jahrelange Erfahrung nötig war, „heute mit KI fast jeder erledigen kann“.
27 Prozent haben das Gefühl, „dass ihre persönliche Expertise seit der Einführung von KI weniger geschätzt wird“.
25 Prozent würden KI am liebsten wieder abschaffen, „weil sie die menschliche Kreativität einschränkt“.
Vielen Beschäftigten bleibe unklar, welchem Zweck der KI-Einsatz in ihrer Rolle eigentlich diene. 40 Prozent der Befragten verstehen nach eigenen Angaben häufig nicht, warum sie KI in ihrer Tätigkeit nutzen sollen, und ebenso viele (39 Prozent) berichten von „KI-Müdigkeit“ – mit der Folge, dass sie die Tools seltener nutzen. Die Einführung der Technologie bedeutet also nicht automatisch Akzeptanz, so Adaptavist.
Oft erzeugt KI-Nutzung Mehrarbeit
Eine der am stärksten unterschätzten Folgen der breiten KI-Einführung ist der Umfrage zufolge eine versteckte Produktivitätsbürde: die „Kosten der Verifizierung“. Denn mangelnde Ergebnisqualität erzeuge häufig eine zusätzliche Arbeitsebene: das Prüfen, Korrigieren und Freigeben maschinell erstellter Inhalte. In vielen Fällen erzeuge KI dadurch sogar mehr Arbeit und Zeitdruck, als sie eigentlich abbauen sollte. Die Aussagen im Detail:
49 Prozent glauben, KI-generierte Inhalte minderten insgesamt die Effizienz im Team.
45 Prozent korrigieren regelmäßig KI-generierte Arbeit von Kolleginnen und Kollegen.
45 Prozent erleben ihre Arbeit dadurch als repetitiver und weniger sinnstiftend.
42 Prozent sagen, mangelhafte KI-Ergebnisse verzögern Projekte.
39 Prozent der Beschäftigten verbringen nach eigenen Angaben mehr Zeit mit der Überprüfung von KI-Ergebnissen, als sie durch deren Nutzung einsparen.
Mensch gegen Maschine – und die Kollegen
Parallel entstehe eine neue kulturelle Dynamik nach dem Motto „Mensch gegen Maschine“, warnt das britische Beratungsunternehmen. Fast die Hälfte der Beschäftigten (44 Prozent) hat das Gefühl, ihre Leistung werde direkt oder indirekt an KI-Ergebnissen gemessen. 27 Prozent setzen KI demnach ein, um mit Kolleginnen und Kollegen Schritt zu halten. Gut ein Fünftel (22 Prozent) berichten von wachsendem Druck, schneller zu arbeiten und gleichzeitig qualitativ hochwertigere Ergebnisse liefern zu müssen (21 Prozent).
Die Folge: Getrieben von der Angst vor Überflüssigkeit denken mehr als ein Drittel (39 Prozent) der Befragten bereits wegen KI über einen Branchenwechsel nach. Von denjenigen, die einen Berufswechsel erwägen, suchen 28 Prozent gezielt nach Tätigkeiten, die als weniger KI-anfällig gelten – etwa im Handwerk oder in manuellen Berufen –, und 20 Prozent wollen diesen Schritt innerhalb der nächsten zwei Jahre umsetzen. Es gibt aber auch einen gegenläufigen Effekt: So gaben 66 Prozent der Beschäftigten an, derzeit gezielt neue Fähigkeiten zu erlernen, um in ihrem Bereich relevant zu bleiben.












