21 Quadratmeter große Minipraxis
Acht Jahre lang engagierte sich die US-Zahnärztin Dr. Sara Boyer mit ihrer Praxis „Studio Dental“ in der aufsuchenden Zahnheilkunde. Statt vulnerablen Patientengruppen hatte sie aber eher ein junges, fittes Publikum im Blick, das krass im Job unterwegs (und darum super solvent) ist und deswegen keine Zeit hat. Wie das Team zuvor in Befragungen herausgefunden haben will, dauert ein durchschnittlicher Zahnarztbesuch aufgrund der Anfahrtswege für manche Patienten vier Stunden. Augenblicklich war das Ziel geboren, diese Zeit auf unter eine Stunde zu reduzieren.
Wenn also Beschäftigte den Gang zur Praxis für zu beschwerlich halten, bringt man die Praxis eben zu ihnen. Das hippe Architekturbüro Montalba baute mithilfe von Experten für Schiffsausbauten eine 21 Quadratmeter große Minipraxis mit Steriraum, Wartebereich und zwei Behandlungszimmern in einen 11,5 Meter langen Anhänger. Es gab ein Tablet zur Anmeldung, transluzente, skulpturale Oberlichter in der Decke, die nicht nur natürliches Licht hereinlassen, sondern auch Videomonitore mit beruhigenden Bildern tragen sowie gezielt eingesetzte Spiegelstreifen, die den Raum optisch verlängern und die hintersten Ecken des Anhängers ausleuchten. So fancy die Praxis mit ihren künstlerisch wertvollen, indirekt beleuchteten und schallschluckenden Holzverkleidungen aussah, so schlicht war sie von außen.
2022 führte dann die COVID-19-Pandemie zur Ausmusterung des Trailers. Immerhin: Bis dahin hatte das rollende Dentalstudio sowohl die Jury des „Green Good Design Award“ vom Europäischen Zentrum für Architektur, Kunst, Design und Stadtforschung als auch die des Chicagoer „Athenaeum“-Museums für Architektur und Design überzeugt. Beide zeichneten die mobile Praxis aus und hoben lobend hervor, dass sie von einem ganz normalen Pick-up gezogen werden konnte. Naja.
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